TRUMP

19. Oktober 2016

Es findet ein Trumpwahlkampf statt und ich habe den Eindruck, da sind einerseits die Trumpwähler und andererseits die Trumpnichtwähler und sonst gibt es niemanden. Journalisten fragen: Ist das Land zerrissen, und ich frage mich, ob es jemanden gibt, die oder der diese Frage versteht.

Im Sommer geisterte eine Studie durch die Medien: 11,6 Prozent von 322 befragten Personen (= 37,35?) glauben, dass es im österreichischen Rechtssystem die Todesstrafe gibt. Was mit der Studie darüber hinaus gezeigt werden sollte, ist, dass man an dasjenige Rechtssystem glaubt, das man im Fernsehen sieht; und im Fernsehen sieht man das Rechtssystem der USA, zumindest im österreichischen Fernsehen. Es wäre gelogen zu sagen, ich wisse etwas vom Rechtssystem in den USA. Es gibt die Todesstrafe, es gibt ein federal law und ein state law, vor Gericht muss man eine good story erzählen oder so etwas, Dr. House sagt, alle Menschen lügen, Iron Man kämpft im Civil War gegen Captain America.

Wie viele Prozent der Zuschauer, die die täglichen Analysen des amerikanischen Trumpwahlkampfs nicht verstehen, denken, dass Hofer wohl weniger verrückt ist als Trump? Und: Ist Trump verrückter als Hofer? Wäre Trump ein schlechterer Präsident als Hofer? Wie lange wurde über Trump schwadroniert? Wie lange wurde über die Verschiebung der Wiederholung der Stichwahl berichterstattet? Wäre Hofer ein schlechterer Präsident als Trump? Hat der Verlierer der Stichwahl das Ergebnis der Stichwahl angefochten? „Sie werden sich wundern, was alles gehen wird“?

Ich halte es nicht für abwegig, zu sagen, dass die Berichterstattung über den amerikanischen Trumpwahlkampf den Wahlkampf in Österreich, also die Verschiebung der Wiederholung der Stichwahl, beeinflusst. Wenn ich von der Berichterstattung des österreichischen Fernsehens ausgehe, dann ist der schlechtere der beiden Kandidaten immer noch weniger schlecht als Trump.

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