4.2.2017

Vor Jahren hat die Stadtverwaltung eine Quasiwährung eingeführt, um die einkaufswilligen Menschen zum Einkaufen in die aussterbende Innenstadt zu verführen. Münzen im Tauschwert von zehn Euro, die City-Zehner (meistens ohne den Bindestrich zu lesen: City Zehner) sind die gestückelte Geldeinheit dieser ebenso genannten Quasiwährung mit der man in der City und nur in der City einkaufen kann. Sie sind ein beliebtes Geschenk zu Weihnachten („Weihnachtsgeld“) und die Stadt verkauft sie freudig mit der Erwartung, sich damit auch selbst zu beschenken.

Jedenfalls bin ich mit City-Zehnern in die City gegangen, um dort einzukaufen und beim Bezahlen an der Kassa sagt die Verkäuferin (sie war dort die einzige Verkäuferin, ich der einzige Kunde), dass ich hier zwei City-Zehner hätte, zwanzig Euro. Es war der Fall: Ja. Sie sagt, wenn ich nur um fünfzehn Euro einkaufe, dann muss sie mir Wechselgeld geben, das sei schwierig. Ich frage warum, sie sagt, dass sie die City-Zehner selbst wechseln müsse. Ich frage, ob ich damit bezahlen kann, sie sagt, es sei schwierig. Ich frage, was das bedeutet und ob ich damit etwa nicht bezahlen kann und sie sagt, naja, schwierig sei es, die Banken, morgen sind sie geschlossen, und die City-Zehner müssen eingewechselt werden, sie müsse hingehen zur Bank, aber die Bank hat geschlossen, überhaupt am Samstag, bezahlen mit den City-Zehnern, das ist schwierig, immer, nicht nur am Freitag, weil die müssen eingewechselt werden. Ich kenne mich nicht wirklich aus, bekomme aber meine fünf Euro Wechselgeld und gehe.

Diese Geschichte ist banal und durchaus langweilig. Allerdings: Das Problem der etwas faulen Verkäuferin ist spannend. Die in die Hand gelegten Geldeinheiten, das Kleingeld und das Großgeld, das muss eingewechselt werden. Kein Handelsunternehmen (sagt man so?) könnte funktionieren, wenn das ganze Geld nur in der eigenen Kassa am Ende des Warentransportbands gesammelt wird. Das Geld muss gezählt, zur Bank gebracht, noch einmal gezählt und schließlich auf ein Konto gutgeschrieben werden, oder so stelle ich es mir zumindest vor. Bei einer bargeldlosen Bezahlung passiert dieselbe Gutschreibung, aber ohne das lästige Zählen und Transportieren. Auch das ist banal, etwas langweilig und nichts Neues. Vielleicht ist mir nur verdeutlicht worden, wie unwillkommen in die Hand gelegten Geldeinheiten – gegenüber dem wohl immer willkommenen Geld – einmal sein könnten oder bereits sind.

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