Death Stranding

31.10.2022

#1

Seit etwa letztem Jahr lese ich, was Hideo Kojima auf Twitter schreibt. Im Frühjahr habe ich mir sein Buch gekauft und es gelesen; weil ich es am Bildschirm immer nur ungenau angeschaut hatte, dachte ich, dass es The Creative Genius heißt und es sich um eine selbstbetitelte Autobiographie handelt, aber es heißt The Creative Gene, und besteht, obwohl es im November 2021 erschienen ist, aus älteren Texten, die ursprünglich auf Japanisch und auch nicht unter diesem Titel erschienen sind (siehe https://ja.wikipedia.org/wiki/小島秀夫_(ゲームデザイナー)#著書). Ich dachte, dass ich mit den Kojima-Tweets und seinem Buch besser verstehen könne, worum es in Death Stranding geht.

Weil: So wie Jean-Luc Goddard Filme über sich selbst gemacht hat, macht Hideo Kojima video game auteur Spiele über sich selbst? Eine Annäherung an das Werk über den Autor? 

Ich lese (du liest), was Hideo Kojima-san, Auteur-Dieu du jeu vidéo schreibt:

Bought Michael Mann's masterpiece, "Heat" 4K HDR+BD.

I saw "Thor". I also bought a pamphlet of "Loki" though I have not seen it.

Bought books of Miyuki Miyabe.

Kojimasan schreibt oft, was er sich gekauft hat: am 4. Juli 2022 schreibt er, dass er sich einen LEGO-Dinosaurier gekauft hat, am 8. August den LEGO-Bausatz für ein Auto. Die Blu-ray von Possessor kauft er „as it came out“, außerdem hat er sich den Soundtrack des Films gekauft und ein Possessor-T-Shirt, oder er hat es zumindest anprobiert und vier Fotos davon getwittert. Am 21. August 2022 schreibt er, dass er sich Battle of the Mecha Godzilla gekauft hat.

Er kauft nicht nur Trashunterhaltung („bildschirm bildschirm an der wand was ist der unterschied zwischen trash und hochkultur“), er kauft auch Sachen von Tarkovskij, Fassbinder und Carax.

Wie soll man daraus schlau werden? Kojimasan schreibt einen Konsumtweet nach dem anderen, dazwischen retweetet er Fanart und gibt Hinweise auf gute Filme, zum Beispiel in dieser Form

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Just watched the latest trailer for Matt Reeves' version of "The Batman!" I love the visual sense, the color tones! The bat symbol, the batman, the bat-car, the delicate lines and silhouettes that are not so bare bones so far are exciting!

oder er schreibt ein freundliches Good Morning gemeinsam mit einem Foto vom Display seines Sony-Musikdevices, das seine Musik des Tages zeigt, zum Beispiel „Tears in Rain“ von Vangelis oder „Big Ideas“ von den Arctic Monkeys.

Ich lese genaugenommen die englischen Übersetzungen von @HIDEO_KOJIMA_EN, nicht die japanischen Originale von @Kojima_Hideo. Mir sind die geraden Anführungszeichen in den englischen Tweets nicht ganz geheuer. Ich weiß nicht, wer die Tweets übersetzt und habe die beiden Accounts auch nicht genau miteinander verglichen. Sie sind nicht exakt synchron, ich weiß nicht, ob alles übersetzt wird; aber zumindest findet man für die englischen Übersetzungen japanische Originale und auf beiden Accounts schreibt Kojimasan in der Twitterbiographie Game Creator: 70% of my body is made of movies  / ゲームデザイナー:僕の体の70%は映画でできている. Somit lässt sich aus dem Text zumindest ansatzweise herauslesen, woraus Kojimasan besteht. Show me your shopping cart and I tell you who you are.

#2

liste der fünf besten filme (Stand 21. Oktober 2022): Titanic, E.T. – Der Außerirdische, Star Wars, Der Herr der Ringe, Terminator 2.

Kann man jemanden den Filmgeschmack zum Vorwurf machen?

Das „Independent, progressive film magazine“ Film Inquiry hat, vermutlich im November 2020, eine 100 Movies Bucket List auf Twitter gepostet; der Tweet ist inzwischen gelöscht, aber zum Beispiel hier noch online und ebenso sind die Reaktionen auf die gelöschte 100 Movies Bucket List online, zum Beispiel hier:

kurz um,(:) amerika,
der mensch der diese liste erstellt hat hasst filme, es ist abstoßend und ich werd immer wütender wenn ich so eine dumme scheisse weiterhin sehe, 🤮🤮🤮🤢🤮🤮🤮

Ich mag, was @DasHolzspatel hier schreibt, weil ich, erstens, ad-hominem-Argumente, auch wenn sie nicht überzeugen, oft sehr lustig finde, und, zweitens, weil es mir gefällt, wie @DasHolzspatel in der Vorstellung DEN AUTOR der Liste konstruiert mitsamt der Wut, die aufkommt, wenn man sich mit jemandem unterhält, d Lieblingsfilme Titanic (Nr. 77), E.T. (Nr. 11), Star Wars (Nr. 40) usw. sind.

Aber jemandem, d von sich behauptet, zu 70% aus movies zu bestehen, kann man nicht vorwerfen, Filme zu hassen, auch wenn es nur um Batman, Thor und Michael Mann’s masterpiece “Heat” usw. geht. Viele Filme, die sich Kojimasan kauft, interessieren mich nicht, aber er kauft sich auch Filme, die ich mag. Und die Arthouse-Boys und -Girls werden niemanden, d damit angibt, sich Carax-Filme zu kaufen, beschuldigen, einen schlechten Filmgeschmack zu haben.

#3

In Death Stranding spiele ich Sam (Porter) Bridges/Strand, der Menschen Dinge bringt. Ich stelle mir vor, wie jemand in Death Stranding gerade ein von mir zugestelltes Paket entgegennimmt, in das vereinigte Netzwerk von AMERIKA einsteigt und dort postet: The Bridges porter just brought me the package that I have ordered. Nice!

In diesem Sinn ist es egal, ob wir über Tarkowski oder Mecha Godzilla reden; besser wir reden über irgendetwas als gar nicht. In Death Stranding wird der Unterhaltungskram nicht kontextlos zugestellt, sondern innerhalb dieser komplizierten Hikikomori-Welt: Wo sich so viele von der Zivilisation abgewandt haben und allein im Bunker leben. In dieser Welt ist Unterhaltungskram nicht nur Konsum, sondern, vielleicht, auch der schüchterne Versuch, aus der Einsamkeit auszubrechen.

Als bon Auteur-Dieu du jeu vidéo schreibt Kojimasan in seinem Text über den Film Taxi Driver vor allem über sich selbst: 

As soon as I got home, I turned on every light in every room and switched on the TV at high volume – not to watch anything, but to distract me from loneliness. Even in my adulthood, I continue the habit. Whenever I check into a hotel room, whether for business or vacation, I always turn on all the lights and power on the TV. When I’m in the bath, and when I go to sleep, the TV stays on.

Kojimasan schreibt in The Creative Gene wie die personifizierte Postmoderne (liste von personen die online als „personifizierte postmoderne“ bezeichnet werden: Madonna, Nastassja Kinski, Homer Simpson, Jamie T.). Der Text ist geschrieben wie von jemandem, d behauptet, zu 70% aus Popkultur zu bestehen und alles ganz existentiell versteht. Der Text zu Taxi Driver beginnt mit einigen Sätzen, bei denen zunächst unklar ist, ob sie von Travis Pickle oder von Kojimasan stammen: 

Loneliness has followed me my whole life. Everywhere. In bars, in cars, sidewalks, stores, everywhere. There’s no escape. I’m God’s lonely man.

Wir hier eine Selbsterschaffung performt? Wer schreibt und wer liest? Geht es darin um dich, einsame Leserin, einsamer Leser? Der ganze Konsum, das brennende Licht, das Fernsehgerät, das Handy, das du nie ausschaltest, oder der Podcast, der läuft, während du schläfst, weil du sonst nicht schlafen kannst, das soll deine Einsamkeit überwinden: Wenn sonst niemand da ist, der Bildschirm ist immer da, auf TikTok lachen mir Menschen zu, ich winke in ihre Richtung und rufe don’t mind me.

The Creative Gene ist eine „collection of essays“ und die Essays des ersten Teils sind in den Jahren von 2010 bis 2013 in einer Reihe mit dem Titel 僕が愛したMEMEたち / My Lovable Memes erschienen. Meme lieben? Ist das nur so dahingesagt oder ernstgemeint? Ich kann das so verstehen, dass ich das, was ich medial konsumiere, tatsächlich liebe. Ich will mich bei meinem Medienkonsum mit dem konsumierten Medium vereinen. So verstehe ich es wörtlich, was es bedeutet, zu siebzig oder hundert Prozent aus Filmen zu bestehen: Long live the new flesh! Bezeichnet das Wort Fernseher den Fernsehapparat oder den Zuschauer? Guten Tag, mein Name ist Thomas H., ich habe mein Wochenende damit verbracht, Friends zu bingewatchen, und freue mich darauf, wenn ich das nächste Mal wieder Zeit mit Monica, Rachel, Phoebe, Ross, Joey und Chandler, meinen Bildschirmfriends, verbringen kann; ich winke in ihre Richtung und rufe I’m Sam, sie antworten mir mit hey, my name’s Sam too.

Aber Meme zu lieben, muss nicht wörtlich verstanden werden. Neues Fleisch kann auch bedeuten, dein Gegenüber zu beeindrucken, indem du die Zitate ihrer Lieblingsserienfiguren fortsetzt: You met me at a very strange time in my …? Winter is …? Guten Tag, mein Name ist Thomas H., ich habe mein Wochenende damit verbracht, dieselbe Netflix-Serie wie du zu bingewatchen; ich winke in deine Richtung und rufe over here!, du antwortest mit over where!?. Man kann sich stundenlang unterhalten mit jemandem, d sich für die Musik oder Bücher oder Filme oder Computerspiele begeistern kann, für die du dich auch begeisterst. Das ist etwas anders als bloß den Bildern am Bildschirm oder den schwer zu verortenden Memen zugeneigt zu sein. Man muss dafür zwar mit einem anderen Menschen reden, aber man kann dann auch mit einem anderen Menschen reden, und nicht nur reden – man kann sich genau so in jemanden verlieben. Kojimasan schreibt:

You can build a picture of a person from the books they read. Maybe it’s possible that sharing the same taste in books can make it easy for two people to fall in love.

Inzwischen halte ich es für plausibel, dass Death Stranding genau das vermitteln soll: Konsum verbindet uns. Ich kaufe mir Blu-rays, Comics und LEGO, damit ich eine Beziehung zu anderen aufbauen kann, die sich ebenfalls Blu-rays, Comics und LEGO kaufen. Sam (Porter) Bridges/Strand ist wie eine Hermes- oder Amor-Gestalt, die uns Einsame in ein Kollektiv eingliedert. 

#4

Ist das alles? Es wirkt banal und eigentlich müsste man für diese Überlegung weder die Tweets von Hideo Kojima noch The Creative Genius lesen. E pluribus unum steht am Münzgeld der United States of America, dem Land der Cowboys und Bitcoins, das du als Sam (Porter) Bridges/Strand auf & ab durchreist und belieferst und dabei das vereinigte Netzwerk von AMERIKA aufbaust. Ist das vereinigte Netzwerk von AMERIKA in Death Stranding ein land of the free? Heiner Müller sagt im Gespräch mit Frank M. Raddatz, NEKROPHILIE IST LIEBE ZUR ZUKUNFT:

Es ist der allgemeine Grundirrtum, daß der Kapitalismus den Individualismus fördert. Das Gegenteil ist der Fall. […] der Kapitalismus uniformiert.

Sam (Porter) Bridges/Strand uniformiert einsame und unglückliche Prepper zu glücklichen Kosument*innen. Das ist nicht alles in Death Stranding (es geht darin zum Beispiel auch um die Frage, warum die Dinosaurier ausgestorben sind), aber es wäre so gut wie alles, was darin über das Ende der Einsamkeit erzählt wird. Für Müller ist diese Uniformierung nicht alles und nicht positiv: Die kapitalistische Uniformierung raubt den Einsamen ihre Individualität. Im Gespräch DENKEN IST GRUNDSÄTZLICH SCHULDHAFT (wieder mit Raddatz) sagt er:

Die Angebote des Kapitalismus zielen auf Kollektive. […] Der Kapitalismus bietet nie Einsamkeit, sondern immer nur Gemeinsamkeit an. Das kapitalistische Angebot baut geradezu auf der Angst vor der Einsamkeit auf. McDonald’s ist das absolute Angebot von Kollektivität. Man sitzt überall in der selben Kneipe, frißt dieselbe Scheiße und alle sind glücklich. Denn bei McDonald’s sind sie ein Kollektiv. Selbst die Gesichter in den McDonald’s-Restaurants werden sich immer ähnlicher.

Das erklärt für mich nicht nur Death Stranding, es bestätigt auch mein Unbehagen: Im Einkaufszentrum, da gehen Nazi, Djhiadist und Antifa, Hand in Hand, gemeinsam einkaufen; sie nehmen Sam (Porter) Bridges/Strand, Hideo Kojima, den Taxi Driver, dich und mich, an den Händen, wir lachen, werden ein Kollektiv und uns immer ähnlicher. Ich kaufe mir im Kojima-Productions-Store das Product of the Month, zum Beispiel den Limited Edition Signed and Framed Ludens III Print um 356 Dollar. Danach poste ich ein Foto davon im Internet, behaupte, dass es ein Selfie von mir sei, und schreibe Arigatō Kojimasan.

#5

So etwas will ich nicht. Etwas ist daran, wie auch an Death Stranding, faul. Die Vereinheitlichung durch den Kapitalismus könne, so Müller (Werke 11, 608), nur durch den kommunistischen Weg umgangen werden, das heißt: durch Vereinzelung, die „der eigentliche Inhalt des Kommunismus“ (Werke 11, 835) sei. Ich kann das nicht erklären. Wenn Müller schreibt, dass das kapitalistische Angebot auf der Angst vor der Einsamkeit aufbaue, Kojima sich vor der Einsamkeit fürchtet und seine Angst durch Konsum überwinden kann, was soll daran falsch sein?

Das Angebot des Kommunismus, so Müller, sei ein anderes Verhältnis zum Tod (Werke 11, 687). Auch das kann ich nicht erklären (ich hoffe, Müller ärgert sich nicht darüber, an dieser Stelle Angebot gesagt zu haben; du weißt, wie es gemeint ist: nicht im Sinn von Greif zu!). Der Kommunismus entlässt den Menschen in seine Einsamkeit. Wenn Kojima vor dem Spiegel steht (das heißt: seine Tweets liest), kann er sich über die vielen Dinge freuen und sich mit Battle of the Mecha Godzilla und Batman, genau wie du und ich, von der Einsamkeit, von den Gedanken an den Tod, von sich selbst ablenken. Müller sagt, dass dadurch ein Teil des Selbst, die Individualität, aufgegeben werde. Müller sagt nicht, dass dieser Teil ersetzt wird durch Waren, die durch Ausbeutung produziert werden und deren Erwerb dazu beiträgt, die Armen und die Reichen noch weiter voneinander zu entfremden – aber man könnte es ergänzen. Davon werde man, vor dem Spiegel stehend, abgelenkt: „Der Kapitalismus kann einem immer was geben, indem er die Leute von sich selbst wegbringt.“ (Werke 11, 687) Beträgt der Anteil den Kojimasan durch sein Zeug von sich selbst weggebracht hat siebzig Prozent? Handelt es sich um siebzig Prozent Einsamkeit und Angst vor dem Tod? „Vor dem Spiegel“ (vor den Tweets) „gibt einem der Kommunismus nichts. Das ist seine Überlegenheit“, sagt Müller (Werke 11, 687). Aber bringt mir das etwas? Das emanzipatorische Moment wäre, die Einsamkeit zu ertragen (Werke 11, 835). Aber wie man das lernen kann, ist unklar. In Death Stranding ist der Spiegel auch nur da, um vor ihm albern zu sein.

Screenshot Death Stranding

Das Verhältnis zu den Toten im Kapitalismus ist festgelegt; eine Ordnung „schreibt jedem seinen Platz zu, jedem seinen Körper, jedem seine Krankheit und seinen Tod“ (Foucault in Überwachen und Strafen) – und der Platz für die Toten liegt außerhalb der Gesellschaft, abgeschirmt von denen, die eine Funktion auszuüben haben. Müller würde vielleicht sagen, dass der Westen seine Toten verdrängt; wer tot ist, konsumiert nicht mehr. Man kann in Death Stranding den Tod des Alten verhindern, indem man nicht aufhört, ihn beständig mit neuer Scheiße (Bonsaidünger, alten Füllfedern, Energydrinks) zu beliefern. Die Prepper werden, sozusagen, mit einem Stock in das Kollektiv geprügelt und dann mit einem Seil dazugeknebelt. Diese Unterdrückung empfinden sie als Freiheit, genauso wie sich die Mitglieder der Menschenkette im Einkaufszentrum frei fühlen. Aber für Müller handelt es sich bei dieser Einkaufszentrumsolidarität um eine Scheinsolidarität, eine „Parodie auf das kommunistische Kollektiv“ (Werke 11, 687). Man könne – siehe Kojima – „in einer Parodie […] natürlich viel lustiger leben“ (Werke 11, 687), aber früher oder später werden doch Zweifel aufkommen, ob Einkaufen den Tod überwinden kann.

Ist es überflüssig, darauf hinzuweisen, dass Death Stranding im Titel death enthält? Der Tod ist in Death Stranding zwar ständig präsent, aber Sam (Porter) Bridges/Strand ist, ich bin, meistens zu beschäftigt mit dem Zustellen von Waren, um daran zu denken. Die Toten in der Spielwelt werden zu Waren, die zugestellt werden müssen, und sind nach ihrer Zustellung gleichermaßen erledigt wie das vor der Haustür abgestellte Paket. Erinnert sich noch jemand daran, wer eigentlich Lucy Strand ist, oder, dass am Anfang von Death Stranding ein Farbfoto in den Zeitregen fällt? (Passt dieses Farbfoto als Artefakt überhaupt zeitlich in die Geschichte von Death Stranding?) Passt der Tod in die Konsumwelt?


Als ich im Sommer in Kopenhagen war, wollte ich ins Kino gehen. Das Kino war in einem Einkaufszentrum und als ich das Einkaufszentrum betrat, bin ich von einem Security-Mann beäugt worden. Was schaut der mich so an, dachte ich. Es war kurz vor dem Ende der Öffnungszeiten, das Einkaufszentrum hat ausgesehen wie jedes Einkaufszentrum aussieht. Es waren nur mehr wenige Menschen unterwegs; einige Shops waren schon geschlossen, andere noch offen, bei vielen wurden Kleiderständer und Kisten nach drinnen getragen. Metallgitter wurden vor den Eingängen nach unten gezogen. Die Stimmung in dem Einkaufszentrum war eigenartig. Anstatt dass gehetzt letzte Einkäufe erledigt werden, wurde das Gebäude verlassen. Mir war nicht klar, woran es lag; ich weiß nicht mehr, ob Musik gespielt wurde, wahrscheinlich nicht; überall standen Securities. Dann sehe ich einen Haufen niedergelegter Kränze und Blumensträuße, viele schon verwelkt. Ist dort etwas passiert?

Erst dann fiel mir ein, dass wenige Wochen vor meiner Ankunft in Dänemark, von einem Anschlag in einem Kopenhagener Einkaufszentrum berichtet worden ist; es gab Verletzte und Tote. Es war mir peinlich, das nicht vorher mit dem Einkaufszentrum in Verbindung gebracht zu haben. Ich stehe an der Brüstung des ersten Obergeschosses und beobachte, wie im Erdgeschoß Eltern ihre zu den Blumenkränzen hinlaufenden Kinder am Arm packen und festhalten bevor sie die Blumenkränze berühren. Einige bleiben vor den welken Blumen stehen, machen ein Foto und gehen weiter. Ich weiß nicht, wen ich beobachte: sind es Kunden, Einkäufer, Trauernde? Securities lassen dabei niemanden aus den Augen.

#6

fünf stellen aus the creative gene die ich beim lesen teilweise unterstrichen habe:

I gave Darkness, Take my Hand another read, and there I found a message from Lehane. In his message, I found advice – and an expression of my own inner feelings. 

Letters are a poor medium prone to misunderstandings and missed connections – which is precisely why I want to advocate for letters in these times. It is because a letter is a one-way street that the writer and the reader are able to come together in the middle. Through the exchange of letters, we naturally strengthen our ability to emphasize and to understand our shared emotions.

Playing the game is kind of like climbing Mt. Fuji by yourself. It can be a hard time. You might stop partway and think, “Why am I putting myself through this much trouble?” and give up. But when you climb all the way to the summit and see the rising sun, and all the effort and hardship will be validated, you’ll probably start to cry. That’s the kind of game it is.

Mountain climbing is often used as a metaphor for our lives. We all have our own mountains – our own it. But reaching this point in my life, I nearly lost confidence that I know what my it was.

In a conversation with an American screenwriter, Ryu Murakami once said that all stories follow the same plot: the protagonist falls into a hole and either crawls out or dies within. When I heard that, it made sense to me; I could see nearly all stories fitting into that pattern. But in his genius, Abe would not settle for the ordinary. The Woman in the Dunes offers a third plot: the man finds a life inside the pit.

Zu /texte.