Ich wache am Boden eines weiß verfliesten Raumes auf und frage mich, wo der Pool ist.
Die geraden Fugen zwischen den Fliesen, die Kanten der Wand biegen sich am Rand meines Sichtfelds zu Kurven. Ich nehme die Welt aus einer verzerrten Perspektive dar, die an Bodycam-Aufnahmen erinnert. Ich bewege mich mit Bodycam-Tunnelblick durch die Welt und suche nach den Pools.
Das Licht der Decke spiegelt sich in den weißen Fliesen. Von dem Raum, in dem ich aufgewacht bin, führt ein Durchgang in einen zweiten Raum. Wenn ich mich bewege, höre ich, wie meine Schritte durch die hohen Räume hallen. Es ist widersprüchlich, keine Beine zu haben, aber Schritte zu hören, wenn ich mich bewege, aber ich denke nicht über Widersprüche nach. Ich gehe in den zweiten Raum und stehe vor einem Pool. Wenige breite Stufen führen in das Wasser, links und rechts vom Pool ist ein Metallgeländer montiert. Im hellblauen Wasser spiegeln sich die Lichter im Raum. Das Wasser kräuselt sich leicht. Es sieht einladend aus. Der Pool liegt vor mir, einladend wie ein lächelnder See. Das Wasser sieht nicht tief aus, aber ich gehe nicht hinein.
The
game has no user-interface and no dialogue. No background music. […] There's no typical story, no characters to meet, and you won't find any notes in game. […] POOLS has six unique chapters, each taking 10 to 30 minutes to play.
Ich brauche für das erste Level bestimmt länger als 30 Minuten, weil ich mich mehrmals verirre und immer wieder, scheinbar egal, welchen Weg ich nehme, zu der großen runden Halle mit dem großen runden Loch und dem Sprungbrett zurückkomme.
Ich gehe an dem Pool vorbei in den nächsten Raum. Ein Schild, das auf die Gefahr, auszurutschen hinweist, hängt an der Wand. Im nächsten Raum befindet sich ein Pool. Er sieht tiefer aus als der andere Pool, sein Wasser ist dunkelblau. Eine Metallleiter führt ins Wasser, am anderen Ende des Pools sehe ich wieder weiß verflieste Stufen, die aus dem Wasser hinausführen. Die Wasseroberfläche ist leicht gekräuselt, eine breite ebenfalls weiß verflieste runde Säule befindet sich mitten im Pool und führt bis zur Decke, in der mehrere Reihen heller rechteckiger Leuchten versenkt sind, die den Raum erhellen.
Im Film Hiroshima mon amour von Alain Resnais, nach dem Drehbuch von Marguerite Duras, geht es um eine französische Schauspielerin, die im Jahr 1959, vierzehn Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, nach Hiroshima reist, weil sie dort an einem Film über den Frieden beteiligt ist. Sie lernt einen japanischen Architekten kennen, mit dem sie eine Liebesnacht verbringt. Die Schauspielerin erzählt dem Architekten, was sie in Hiroshima gesehen hat. Das Krankenhaus habe sie gesehen, sagt sie, und vier Mal habe sie das Hiroshima Peace Memorial Museum besucht. Dort habe sie alles gesehen, sagt sie, sie habe alles in Hiroshima gesehen, alles, aber der Architekt antwortet, dass sie nichts gesehen habe. Ich sage auch, dass ich alles gesehen habe. Ich habe die weisen Fliesen, die Pools und die Wasserrutschen gesehen. Die Pools existieren und die bunten Wasserrutschen existieren. Ich habe die Marmorstatue gesehen. Würde mir jemand sagen, dass ich nichts gesehen hätte?
Ich gehe doch ins Wasser und fühle nichts. Ich frage mich, ob das Wasser im Pool warm oder kalt ist.
Als ich den Pool wieder verlasse, hat sich der Klang meiner Schritte verändert. Ich höre das Feuchte, es sind nasse Schritte, und ich hinterlasse kleine Wasserpfützen. Vielleicht sollte ich Kopfhörer aufsetzen. Wenn ich später meine Spur aus Wasserpfützen sehe, weiß ich, dass ich schon einmal hier gewesen bin.
„Man kann nicht zwei Mal in denselben Fluss steigen.“—Man kann nicht zwei Mal dieselbe Marmorstatue beschreiben.
Ein Pool ist da. Ein Pool existiert. Ein Pool hört dir zu. Ich weiß nicht, wie viele Pools es gibt. Es könnte eine sehr große Anzahl von Pools geben.
Du liest in einem beliebigen Text über Hiroshima mon amour, dass Gegenwart und Vergangenheit ineinander verschwimmen. Die französische Schauspielerin ist in Hiroshima und erzählt von Nevers, zum ersten Mal. Die Aufnahme/Beschreibung wirkt wie eine Aufnahme/Beschreibung aus großer Distanz:
Ein junger Mann (23) beobachtet eine junge Französin am Fahrrad. Die französische Zivilistin läuft zum Fluss. Der Wehrmachtssoldat wartet am Fluss. Der deutsche Wehrmachtssoldat überquert einen Platz. Die Französin und der Nazi treffen sich in Scheunen, in Ruinen, „in irgendwelchen Zimmern“ „wie alle Verliebten“. Die kahlgeschorene Französin liegt im Bett. Die Französin kratzt ihre Finger an den Wänden des Kellers blutig. Der Nazi stirbt. Der deutsche Soldat liegt angeschossen am Ufer der Loire.
Der Film Hiroshima mon amour ist 67 Jahre alt und in 67 Jahren können viele Massaker stattfinden und viele Soldaten ausgebildet werden und viel Foxtrott getanzt werden und viele Opfer gezählt werden und viel meditiert werden und viele Therapietränen geweint werden und viele Kilometer gelaufen werden und viele Tote aufgereiht werden und viel gelacht werden, weil alles so lustig ist, und viele Freundschaften beendet werden, und obwohl die Sprache von Duras in gewisser Weise zeitlos ist, spricht man oder kann man heute anders sprechen als vor 67 Jahren. Alternativer Titel: Nyarubuye 😘.
There
are very few things to solve, practically a few mazes. Sometimes the game can challenge your navigation skills. But mostly you're just... there.
Ich finde keine Rätsel. Ich bin einfach da, ich existiere. Ich stehe am Beckenrand und betrachte das Wasser.
Ich laufe durch das Wasser. Laufen heißt immer auch Weglaufen. Zugleich komme ich nach dem Laufen wieder genau dort an, von wo ich weggelaufen bin. Ich gehe duschen und nichts hat sich verändert, außer, dass ich geduscht bin, und erschöpft. Als es wärmer wird, schwitze ich nach. Die Saunalandschaft existiert.
Ich wate durch mehrere Pools, teilweise sind Räume nur über das Wasser verbunden.
Ich springe in den Abgrund, aber eine Rewind-Funktion bremst meinen Fall nach wenigen Augenblicken und trägt mich dorthin zurück, von wo ich in das Nichts gesprungen bin. No matter where you go, you always end up at the same starting point.
Alexander Dugin sagt, „der Westen“ (?) orientiere sich an Popper, und das bedeute die Gleichungen Offene Gesellschaft = der Westen = gut und ihre Feinde = Russland = schlecht. Meine Kritik daran sind die Ergänzung der postmodernen Anführungszeichen und die Ergänzung meiner zynischen Interpunktion; ich korrigiere: „Offene Gesellschaf“ = „der Westen“ (?) = gut (????) & ihre Feinde = „Russland“ (?) = schlecht (????). Es gibt keinen Westen, es gibt kein Russland. Wenn Dugin Russland sagt, geistern irgendwelche Identitätsphantasien in ihm herum.
Ich gehe nicht ins Wasser.
Das Desaster hört dir immer zu. Das Desaster ist immer da. „Das Desaster sorgt sich um alles“ (Maurice Blanchot, Die Schrift des Desasters). Ein Desaster hört dir zu. Du kannst der Katastrophe deine Katastrophe erzählen.
„Natürlich bleibe ich in Hiroshima.“
Wenn du wissen willst, ob das eine Marmorstatue ist oder nicht, dann brauchst du einen inneren Dugin, der dir sagt: ja, das ist eine Marmorstatue—oder: nein, das ist keine Marmorstatue. Dann ist diese Sache geklärt, und du kannst die Marmorstatue nach einem Kriegsverbrecher benennen, und das andere zerhacken oder wegsprengen. Alle Dinge haben ihre Ordnung. Wenn du so vorgehst, dann legst du Feuchtgebiete trocken, durchpflügst den weichen Schlamm mit einem Staubsauger und statt Ambiguität ist da nur mehr Bedeutung Bedeutung Bedeutung Bedeutung
Von wo kommt das Licht in den Wasserrutschen her?
Ein Philosoph sagt: „Im übrigen denke ich, dass Wasser das Element des Intimen ist.“ (Linz, 2012)
Eine Bedeutung ist eine Bedeutung ist eine Bedeutung ist eine Bedeutung.
Alle Figuren im Film פוֹקְסטְרוֹט werden vom Krieg, den Soldaten, dem Militär gequält. Das ist eine wahre Aussage über das Militär, die Soldaten: sie schaden dem Leben. Mehrere Figuren tanzen im Film alleine Foxtrott, einer der Protagonisten erklärt, dass du am Ende des Tanzes wieder da stehst, wo du angefangen hast:
You
see? No matter where you go, you always end up at the same starting point.
Durch das Wasser der Pools zu laufen, erschöpft mich. Meine Atemstöße klingen weiblich. Da ich keinen Körper habe, hatte ich nicht darüber nachgedacht, ob ich ein Mann oder eine Frau bin. Ich laufe und gebe weibliche Atemstöße von mir, ich stöhne fast. Ich versuche so zu atmen, wie mein Nicht-Körper atmet. Ich lege mir die Pulsuhr vom Laufen an und beobachte meinen Herzschlag. Ich atme zu schnell, als dass es für mich angenehm wäre. Ich laufe durch das Wasser eines Pools, hinein, hinaus, hinein, hinaus, ich hinterlasse Wasserabdrücke meiner flüssigen Nichtfußsohlen, ich wate im Kreis. Ich atme synchron mit meinem unsichtbaren Körper und messe meinen Puls. Mein Herzschlag erhöht sich auf einen Bereich zwischen 90 und 95 Schläge pro Minute.
Es gibt mindestens vier Übersetzungen/Übertragungen ins Deutsche des Gedichts Call It A Table (1916/18) von Gertrude Stein:
Do
not dispute me.
Oh no.
Do you call it a table.
Von Jenniger Poehler zum Beispiel, Ist ein Tisch:
Nix
da.
Du verstehn!
Sagst du Tisch dazu.
„Das Wort wird nach und nach in unserer Erinnerung verlassen. Und endlich ganz verlöschen.“ (Hiroshima mon amour / Marguerite Duras)
Es einfach, sich mittragen und davontreiben zu lassen. Ich durchschreite Pool um Pool um Pool, aber beschreibe, durch Hiroshima zu waten.
Warum ich laufen gehe, und nicht einen anderen Sport mache, werde ich gefragt. Laufen sei Masochismus. […] Wenn ich laufe, denke ich an nichts. Meine Gedanken werden „klar und geradlinig“. Ich konzentriere mich auf meine Atmung, auf meine Schritte. Ich habe kein Problem damit, zu laufen, und nichts anderes wahrzunehmen als als einzuatmen, auszuatmen und das Gefühl, die Fußsohlen von der Erde abzuheben und wieder aufzusetzen.
In welchem Dokument kann man die Zahl der Atombombentoten von Hiroshima und Nagaski nachlesen? In den Wohlgesinnten lässt Littell den Nazi die Zahlen der Opfer nennen und rechnet vor, wie viele Tote pro Sekunde das für die Kriegsdauer bedeutet. Der Täter weist darauf hin, dass es eine „gute Meditationsübung“ sei, sich zum Beispiel alle 4,6 Sekunden einen Kriegstoten vorzustellen und alle 4,6 Sekunden den nächsten Kriegstoten zum vorigen dazuzulegen. „Sollte es euch jemals gelingen, mich zum Weinen zu bringen, werden euch meine Tränen das Gesicht verätzen.“
Was ist, wenn ich sage, da sei keine Marmorstatue, und loslaufe?
Ich wate durch das Wasser der Pools, überall weiße Wände, Becken, später dann andere Räume, die mir weniger gut gefallen, weil sie ohne Pools auskommen.
Eine Marmorstatue ist eine Marmorstatue ist eine Marmorstatue ist eine Marmorstatue.
„I searched for an exit and found myself“, schreibt jemand auf Steam (dt. Dampf).
Die Bilder meines Laufs durch die Pools überblenden sich mit den Bildern of my private Hiroshima, of my private Nyarubuye, of my private pool.
Paul Feyerabend: Wissenschaft ist oft kontraintuitiv, und kontraintuitiv heißt, die Welt wird so beschreiben, wie sie intuitiv nicht zu beschreiben ist. Da sehe ich intuitiv einen Tisch, aber ich beschreibe den Tisch als Marmorstatue. Ist das Poesie? Ist das Literatur? „Ist das 1 Literatur“? Wobei: (Google Suche "Literatur heißt" Dinge aussprechen ansprechen benennen). / das robert-musil-zitat einfügen. Ich denke nicht, dass Ingeborg Bachmann naiv war, aber „Die Wahrheit ist dem Menschen zumutbar“ halte ich für naiv. Was ist die Wahrheit? Quid est veritas?
La verità mi fa male, lo so. La verità mi fa male, lo sai. Ist es wahr, dass der Tisch kein Tisch ist, sondern eine Marmorstatue?
Nessuno mi può giudicare nemmeno tu. La verità ti fa male, lo so. Dovresti pensare a me e stare più attento a te.
Karoline Edtstadler, meine Lieblingsministerin, sagt in einem Utube-Video (https://www.youtube.com/watch?v=MfSUaUfDBQM) über die Shoah-Namensmauern-Gedenkstätte im Wiener Ostarrichipark, dass Österreich eine „ganz besondere historische Verantwortung“ habe, wenn es um die Gedenk- und Erinnerungskultur gehe. „Es gehört dazu, dass wir uns an die Gräueltaten erinnern, damit wir sensibilisieren können für die Geschichte, um daraus eine positive Zukunft zu gestalten.“ Die Setzung des ersten Gedenksteins bei der Shoah-Gedenkmauer war (dafür?) „ein ganz besonderes Highlight“.
In ihrer Rede zur „Setzung des ersten Gedenksteins“ sagt sie:
Ich
bin keine Jüdin. Ich bin in einer Zeit des Friedens und des Wohlstands geboren. Ich kenne Krieg und die Ermordung von Millionen von Juden aus den Geschichtsbüchern und aus der Erzählung von etlichen Zeitzeugen. Im Alter von zwölf Jahren habe ich dennoch erfahren, was es heißt, einen geliebten Menschen zu verlieren. Damals als mein Großvater nach einem schweren Verkehrsunfall und Tagen auf der Intensivstation verstorben ist. (Siehe https://on.orf.at/video/14056119/14717955/Rede-von-Bundesministerin-Karoline-Edtstadler-OeVP)
Eine der schönsten Beschreibungen vom Schwimmen in einem Pool, die ich kenne, hat Linda Stift in King Peng geschrieben:
Das
Hallenbad ist der einzige Ort, an ich keine Angst vor einem Ausfall habe. Im Sommer gehe ich am liebsten dorthin, man hat das Becken beinahe für sich allein. […]
Beim monotonten Längenschwimmen werden die Gedanken klar und geradlinig. Trotzdem ist es jedes Mal schwierig für mich, in das Becken zu tauchen. Ich gehe seit einem Jahr einmal in der Woche schwimmen und habe immer noch Probleme mit der Motivation. Als ich begonnen habe, dachte ich oft, wozu jage ich meinen Körper durch dieses Wasser und bin dann kaum in der Lage, aufrecht zu gehen. Das denke ich immer noch. Das einzige, was mich entschädigt, ist das Fließende des Wassers, das meinen Körper umschmeichelt.
Der männliche Politiker will Härte zeigen. Er will Sümpfe trocken- und Dinge festlegen und er versteht es als Zeichen der Schwäche, weich zu sein. Wer weich ist, ist verletzlich. Der männliche Politiker hat feste Überzeugungen, oder noch ärger: Er ist fester Überzeugung. Der männliche Politiker ist hart, er will in einer Festung leben.
„Beschreibungen sind immer Beschreibungen von etwas, von einem Objekt, einem Ereignis, einem Sachverhalt, etc. Jede Beschreibung des Objekts bringt eine Änderung des Objekts der Beschreibung mit sich“ (Josef Mitterer, Das Jenseits der Philosophie).
Angst kann sinnvoll sein, sagt man, und etwa davor schützen, in zu tiefes Wasser zu schwimmen, aber ich habe keine Angst, zu ertrinken. Ich habe keine Angst davor, im Pool zu ertrinken.
„Assume that one of your best friends meets you in the street and says to you: ‘Why is your nose so red?’. Will it not seem to you now that the whole world is staring at you, and will you not hurry home in order to put matters right as quickly as possible?“ (Paul Feyerabend, Knowledge Without Foundations)
Cat Marnell schreibt in ihrem Nachruf auf Whitney Houston (nicht mehr online), dass sie Angst hätte, im Rausch ohnmächtig zu werden, und in der Badewanne zu ertrinken.
I'm
a big bath person in general, and I used to pass out in the water all of the time, when I used to snort heroin, snort painkillers, and take tons of Xanax and sleeping pills together, always alone at my house, or one time, in a hotel room bathtub […]
Eine Marmorstatue steht in einem Pool.
Fliesen sind hart.
Wasser ist weich.
Ein Pool ist zugleich hart und weich.
Sich zu ertränken, sei ein „typisch weibliches“ Motiv sage ich bei einer Beiratssitzung und zähle auf: Ophelia, Undine, Maria von Herbert, Ottilie von Herbert, Whitney Houston, Virginia Woolf, „Die kleine Meerjungfrau“ (Andersen), etc.
Ich erinnere mich an einen Besuch im Hallenbad als Kind. Ich konnte gerade erst schwimmen, aber war im vertrauten Nichtschwimmerbecken. Ich habe die eingelernten Schwimmbewegungen ausgeführt, dabei den Kopf schnell nach unten bewegt und ihn im seichten Wasser gegen den Boden geschlagen. Der Stoß war durch das Wasser gedämpft, aber ich erinnere mich an den Schlag der unangenehmen Überraschung, den Schmerz und meine Desorientierung.
Das letzte Mal in einem Pool war ich in Innsbruck. Ich bin nach einer langen Nacht, in der ich viel Alkohol getrunken hatte und spät erst im Bett war, nach vielleicht drei oder vier Stunden Schlaf aufgestanden und mit dem Fahrstuhl in den Keller zum Hotelpool gefahren. Das Wasser war angenehm warm. Ich habe mich vermutlich nur ungeschickt bewegt, aber das Wasser trug mich fast von alleine von der einen Beckenseite zur anderen.
Eine Marmorstatue ist ein Nyarubuye ist wahr.
Ein Fluss ist ein Tisch ist wahr.
Ein Hiroshima ist ein Fluss ist ein Nyarubuye ist wahr.
Die Dinge sind nicht fest, sie sind flüssig.
Die Dinge sind nicht fest, sie sind flüssig.
Den Raum oder etwas anderes liminal zu nennen, ist schon falsch. Wenn du liminal sagst, dann („Eingattung (Eingitterung)“ schreibt Frieda Paris, Nachwasser) ist das so, wie wenn du es nicht aushältst, dass irgendwo Wasser steht. „Der Name meines Vaters war meistens Kanok, manchmal nannte er sich aber auch Pulpin, manchmal nannte er sich Thoarde, manchmal hieß er Iltis, je nachdem, mit wem er sprach. Von Beruf war er einer, der am Stadtrand Mogadischus mit einem Stock im Sandboden nach Dingen sucht.“ (Wolfram Lotz, Die lächerliche Finsternis)
Ich lese „Liminality and Communitas“ von Victor Turner und kann mit dem Text nichts anfangen. Ja, ok, rites de passage, Schwellenzustand, das Erwachsenwerden und Veränderungen im kulturellen Raum. Liminal heißt auf Deutsch übersetzt einfach liminal. Du redest von liminal space, aber alles kann als liminal verstanden werden, oder? In Übergangsriten (z.B. wenn du in einen Geheimbund aufgenommen wirst) lassen sich drei Phasen identifizieren: (1) die Phase der Trennung, (2) des Limen (margin, Schwelle, Übergang) und (3) die Phase der Angliederung. Liminalität tritt auf, wenn alte Ordnungen nicht mehr gültig sind und neue noch nicht. Turner führt hardcore existentielle Beispiele an: Liminalität sei „frequently likened to death, to being in the womb, to invisibility, to darkness, to bisexuality, to the wilderness, and to an eclipse of the sun or moon.“ Ich würde eher etwas Harmloses anführen, etwa „die Zeit zwischen den Jahren“, wenn ich E-Mails ignoriere und nicht genau weiß, ob heute ein Feiertag ist oder nicht, aber gut. So etwas wird vielleicht deswegen nicht angeführt, weil sowieso alles als „liminale Phase“ verstanden werden kann. Wenn ich vom Stiegenhaus in den Innenhof zwischen die Häuser gehe, ist das auch liminal: Wo gehe ich hin? Wo komme ich her? Was ist der Sinn davon? Warum? Schnarch.
Ich kann damit leben, dass die Dinge unbenannt sind. Keine Benennung stimmt. Jede Benennung macht etwas mit dem Benannten. Ich kann gut damit leben, dass die Dinge unbenannt sind.
Da ist der Raum, der keinen Namen hat, und da kommt wer & sagt liminal space, und da ist dann der liminale Raum. Da fallen alle Bücher aus den Regalen, und füllen den liminal space auf. Keine Leerstelle bleibt übrig. „Pools is such a great backrooms game.“
Ich google viel zu lange, bis ich verstehe, was Backrooms bedeutet. Auf Utube erzählt jemand:
the
essential nature of the backrooms is that they are remnants or memories or sort of simplified versions of real things, they’re like an imitation of a real thing but they’re not the real thing itself, that’s why they’re so repetitive and simple, you know, they’re so featureless in a way it’s just a part of reality but it’s not giving you all the details but also they’re dreamlike, they’re dreamlike, because in dreams you often have things from real life, familiar things, familiar people, places, and whatnot will be present in your dreams but the dream twists it and puts it in some weird form, right, dreams take familiar things and combine them in weird ways or they take, you know, a place and they change it in some strange way, so it’s fundamentally familiar but then it’s got this weird twist to it, that’s what the backrooms are like as well, they’re like a real thing that you would normally see, like a very familiar office building or retail store or whatever but
und so geht das ewig weiter. Es ist arg. Ich bin sehr, sehr dumm, aber finde es traurig, wie stumpfsinnig das, was manche Menschen sagen, ist. Später redet der Utube von „past trauma“, aber assoziiert beliebig vor sich dahin – anstatt von Hiroshima zu reden oder Marmorstatuen von Pools zu unterscheiden.
Ich frage mehrere Leute (zwei), ob sie Backrooms kennen, beide sagen, dass sie davon noch nie gehört hätten.
Ich öffne den Browser uns spiele ein random Backrooms-Spiel, das ich im Browser starten kann. Es ist sehr langweilig, aber ich mache es vermutlich nicht richtig, weil ich daneben Musik höre und mich nicht darauf konzentriere, das leere Rauschen zu hören.
Liminalität: Inneres Hochwasser. Geile Metapher, schnarch.
Du kannst mir vorwerfen, dass ich mich weder auf Backrooms noch auf Liminalität einlassen will. „Why should I? I simply am not interested. You may say that I ought to be interested. But life is short, [...] one must make a choice.“
Früher war es im Winter kalt und das Wasser ist gefroren. Ich ließ mir dann manchmal eine Badewanne ein, bin im Wasser untergetaucht und habe an Whitney Houston gedacht. Im Sommer lasse ich mich auf den See ein. Zu anderen Aggregatszuständen gibt es Pools, und wenn es keinen Pool gibt, dann gibt es immer Hiroshima.
Zu /texte.