Call It A Requiem (1916/1918/2026) von Gertrude Stein:
Do not dispute me.
Oh no.
Do you call it a requiem.
So you think you can tell a requiem from water?
Das Kapitel Die größere Hoffnung im Roman Die größere Hoffnung von Ilse Aichinger beginnt damit, dass Ellen einem sterbenden Pferd zuschreit, dass es nicht aufgeben darf.
Als Ellen aus dem Keller kroch, bemerkte sie zu ihrer Linken ein Pferd. Das lag und röchelte und hatte die Augen in grenzenloser Zuversicht auf sie gerichtet, während aus seinen Wunden schon der süßliche Geruch der Verwesung strömte.
»Du hast recht«, sagte Ellen eindringlich, »du darfst es nicht aufgeben – gib es nicht auf –« Sie wandte sich ab und erbrach. »Warum –«, sagte sie zu dem Pferd, »warum ist das alles so widerlich, so entwürdigend? Warum wird man so erniedrigt und verächtlich gemacht, bevor man suchen geht?« Der Wind hatte sich gedreht und blies ihr warm und betäubend die Fäulnis ins Gesicht, alle Fäulnis der Welt.
So—so you think you can tell heaven from hell?
„ich weiß, was ein Requiem ist, das weiß jeder Mensch: Ein Requiem kommt nach dem Tod.“—Aber warum trägt der Film Requiem for a Dream diesen Titel? „In düsteren Farben und mit teils innovativen Techniken wird in dem visuell verstörenden Film der Niedergang von vier Drogensüchtigen erzählt“, steht auf Wikipedia, und nicht auf Wikipedia steht, warum im Filmtitel Requiem steht, wenn der Film doch vom „Niedergang von vier Drogensüchtigen“ erzählt, und kein Requiem für oder auf die niedergegangenen Hoffnungen („Träume“) der Drogensüchtigen zeigt, sondern den Niedergang selbst. Abgesang würde vielleicht passen.
Ich verstehe immer weniger, wie man das Wort Requiem verwendet.
Die Stadt steht in Flammen, die Ratten sind über alles hergefallen. In den Straßen liegen Tote, die Überlebenden suchen in den Trümmern nach—du kennst diese Beschreibungen. Ich sage zu meinem kranken Bruder, den ich in den Armen trage, dass er die Augen schließen und schlafen soll. Es ist Nacht, wir laufen in Richtung Hafen zum Boot, das uns hoffentlich fortbringt. „We’ll find a way“, sage ich. Am nächsten Tag fahren wir mit dem Boot am Fluss in Richtung Marseille, im Wasser schwimmen die Kadaver von Pferden zwischen den Trümmern der zerstörten Stadt.
In The Beginner’s Guide findet man am Ende eines Levels einen Laternenmast und dir wird erklärt, warum der Programmierer das Ende eines Levels mit einem Laternenmast markiert: „He wants a reference point, he wants the work to be leading to something. He wants a destination! Which is what this lamppost is, it’s a destination.“
Mir ist eine Brücke, die über das Wasser führt, lieber als zum Beispiel eine Laterne, und wenn ich laufe, zum Beispiel, dann beginne und ende ich an einer Brücke, „you always end up at the same starting point“, aber bei den ersten paar Mal Laufen, kurz vor dem Ende, als ich die Brücke sah, und ich kurz, nur ganz kurz, dachte, dass ich es nur mehr bis zur Brücke schaffen müsse, hatte ich aufgehört zu laufen: Ich habe einige Meter vor der Brücke aufgehört, einmal vielleicht vier oder fünf Schritte davor. Bis zum Ende ist für mich sinnlos. Wozu? Ich sehe das Ende, ich kenne das Ende, ich kann also auch aufhören, ohne die Tortur erfolgreich zu beenden, ich kann die Tortur aufgeben, ich gebe die Tortur auf.
Im Wartezimmer setzt man sich auf einen Sessel, um zu warten.
Wohin kippt das Requiem?
Aus manchen Einzelworten lässt sich eine Geschichte schöpfen, die endlos erscheint, wie ein Brunnen, von dem man nicht weiß, wie tief sein Schacht ist. Heiner Müller sagt im Jahr 1990 in einem Gespräch (DAS THEATER FINDET AUF DER STRASSE STATT), „Das Wort Sozialismus ist diskreditiert für mindestens 50 Jahre“, und ich denke nicht, dass er damit recht hat, aber Heiner Müller war „nach eigener Aussage“ in der Hitlerjugend und im Volkssturm und hat damals vielleicht oder vielleicht auch nicht ein Hühnergesicht umgebracht.
Heiner Müller, Hühnergesicht, Sozialismus, Nationalsozialismus, Dugin, Hitler, innerer Dugin, Privathitler, „hey do you guys have a game called secret hitler?“, und wenn du „Wohin kippt“ schreibst, dann stürzt du in einen Brunnen und weißt nicht, wie tief sein Schacht ist.
Und wenn du in den Schacht eines Brunnens stürzt und glaubst, dort unten ein Requiem zu hören, das Requiem, dann fällst du noch tiefer.
„we should not underestimate the pleasures of giving up“ (Adam Phillips, On Giving Up)
Man wendet sich an Ratgeberliteratur, The New York Times Bestseller, und darin steht:
We cannot deeply love anything without becoming vulnerable to loss. And we cannot become separate people, responsible people, connected people, reflective people without some losing and leaving and letting go.Ich lese das nicht im echten New York Times Bestseller, sondern online und darunter
ein Bild mit einer Gestalt mit Wanderstock vor einer bis zum Horizont reichenden, kaputten Autobahn und einem in die Ferne gerichteten Blick. Bildbeschreibung. Zwischen der Gestalt und dem Horizont steht eine zweite Gestalt
und darunter das Wort „spiritual“
und darunter
Mein Wasser ist mein Pool.
Im Mai erscheint das Talking-Heads-Tribute-Album Everyone’s Getting Involved: A Tribute to Talking Heads’ Stop Making Sense, und ich mag solche Tribute-Alben manchmal, und ich mag die Talking Heads und ich mag das erste Lied auf dem Tributes-Album, ein Cover von Psycho Killer von Miley Cyrus, die ich auch mag, und Miley Cyrus singt das Lied großartig und sie ändert den Text, du kannst mitsingen:
I love you, psycho killer
Gonna love you forever
You know I’ll never run away
Es gibt auf Utube auch eine Cover-Version von Wish You Were Here von Miley Cyrus. Type this in your browser: miley cyrus, i wish you were here
Kapitel 16 King Hugo von A Plague Tale: Requiem ist schön konzipiert. Take a deep breath, sage ich zu Lucas, und gleite in die Tiefe. Das ganze Spiel hindurch folgt man diesen dummen Vogelstatuen und sie führen zu gar nichts, die Vogelstatuen führen zu einem Weg mit Vogelstatuen und das ist die einzige Orientierung, dass du von einer Statue zur nächsten kommst, alles andere liegt im Nebel. Ich wache auf, Lucas ist weg, my head ... spinning (of course). Ich bin auf einer Suche, und ich suche nach Hugo. Alles, was finde, sind Vogelstatuen.
Ein Pool ist eine Form.
„WISH YOU WERE HERE nimmt sich wie fast alle Songs von Pink Floyd eher als ‘Klangreise’ denn als Lied aus. Dies lässt sich nicht zuletzt daran belegen, dass die gesanglich-sprachlichen Abschnitte (Strophen und Refrain) zusammengenommen gerade einmal 1:38 Minuten dauern, d.h., in weniger als einem Drittel des Songs wird überhaupt sprachlicher Inhalt vermittelt.“ (https://songlexikon.de/songs/wishyouwere/)
Adam Phillips schreibt in On Giving Up auch über Franz Kafka, „There is hope but not for us“.
Ich kenne diesen Satz, aber weiß nicht, wo ihn Kafka geschrieben hat, und von Google kommend und nach Google gehend frage ich bei Google und finde klebeheld.at, Wandtattoo Es gibt unendlich viel Hoffnung... Franz Kafka, es ist unglaublich:

„Heros and heroines are people who don’t give up“ (Adam Phillips, On Giving Up)
„lessons from“ [...]
„we tend to value, and even idealize, the idea of seeing things through, of finishing things rather than abandoning them“, schreibt Adam Phillips in On Giving Up, und ich korrigiere das zu: we tend to value, and even idealize, the idea of carrying on, but not the idea of quitting.
Heiner Müller, Hühnergesicht, „Irgendwo auf dem Weg durch den Nachkrieg hatte er sich an mich gehängt, eine dürre Gestalt im schlotternden Militärmantel, der am Boden nachschleifte, eine zu große Feldmütze auf dem zu kleinen Vogelkopf, der Brotbeutel in Kniehöhe, ein Kind in Feldgrau. Trottete neben mir her, stumm, ich kann mich nicht erinnern, daß er ein Wort gesagt hätte, nur wenn ich schneller ging, sogar lief, um ihn abzuschütteln, stieß er zwischen keuchenden Atemzügen kleine klägliche Laute aus. Ein paarmal glaubte ich schon, ihn endgültig abgehängt zu haben, er war nur noch ein Punkt in der Ebene hinter mir, dann auch das nicht mehr; aber im Dunkeln holte er auf, und spätestens wenn ich aufwachte, in einer Scheune oder im Freien, lag er wieder neben mir, in seinen löchrigen Mantel gerollt, der Vogelkopf in Höhe meiner Knie, und wenn es mir gelungen war, aufzustehen und wegzukommen, bevor er wach wurde, hörte ich bald hinter mir sein klägliches Keuchen. Ich beschimpfte ihn.“ (TODESANZEIGE)
Can you tell a green field from a cold steel rail?
Amicia springt in den Fluß und watet im brusthohen Wasser unter einen Steg, um einen blockierten Seilzug wieder in Gang zu bringen, um den Fluss zu überqueren, um eine Sperre zu öffnen, damit das Boot weiterfahren kann, um damit usw. Unter dem Steg mit dem blockierten Seilzug haben sich die aufgedunsenen Leichen verfangen, die ihre Totengesichter auf mich richten. „It’s going to be alright“, sagt ich, umschwirrt von den Schmeißfliegen, die ich aus der stinkenden Brühe aufscheuche.
Quelle des Zitats in der Kafka-Biographie von Max Brod, eine Aussage von Kafka vom 28. Februar 1920, die Brod notiert hat (Seite 95 in der S.-Fischer-Ausgabe aus dem Jahr 1954: Max Brod, Franz Kafka. Eine Biographie)
„Wieso bekommen wir den großen Franz Kafka nie ohne Sie? Warum waren Sie immer dabei? Weshalb stehen Sie immer im Bild? Wieso gibt es keinen Kafka ohne Brod?“
(ich mochte diese Szene in der Kafka-Serie 2024; ich kann die Frage auch beantworten: Es gibt keinen „Kafka“ ohne Brod, weil es ohne Brod den „großen Franz Kafka“ nicht gäbe.)
Später dann laufe ich von der Brücke los und wieder zurück bis zur Brücke. Die Pulsuhr zeigt an, dass ich mich jenseits von 170 Schläge pro Minute bewege.
Can you tell a smile from a veil? Do you think you can tell?
Ameisen laufen über mein Gesicht.
Backrooms Level Wartezimmer: endlose Formulare, Knarzen aus der Lautsprecheranlage, die Worte sind unklar, flackerndes Licht, Zeitschriftenstapel, Bilderrahmen mit Fotodrucken, darauf Wasser, ein Pool, Asphaltstraßen, du findest Malbücher, in denen die Bilder bereits ausgemalt sind, aber schlecht ausgemalt
Ich habe einmal in einem Film mitgespielt und darin die Rolle des Manns vom Lande aus dem Kafka-Text übernommen. Du kennst den Text: „Vor dem Gesetz steht ein Türhüter“. Du weißt, wie es weitergeht: „Zu diesem Türhüter kommt ein Mann vom Lande und bittet um Eintritt in das Gesetz. Aber der Türhüter sagt, daß er ihm jetzt den Eintritt nicht gewähren könne.“ Vor der Kamera gehe ich, verkleidet mit einem dummen Hut, wie ihn ein Mann vom Lande eben trägt, zu dem Türhüterschauspieler, verkleidet mit einem dummen Metallhelm und einer großen Pike in der Hand. Ob ich also später werde eintreten dürfen, frage ich, ganz ohne Sprachtrainiung und unbeholfen in ein Mikrophon über meinem Kopf. „Es ist möglich“, sagt der Türhüterschauspieler, „jetzt aber nicht.“
„Indeed, if in front of a thirsty person there are two glasses of water that are similar in every respect in relation to his purpose [of wanting to drink], it would be impossible for him to take either.“ (Al-Ghazālī, The Incoherence of the Philosophers = Tahāfut al-Falāsifa = تهافت الفلاسفة)
How I wish, how I wish you were here.
Die Phönixstatuen: They showed the way. Was mich, Amicia, betrifft, ich laufe, sprinte, soundsoviele Kilometer in soundsovielen Minuten. Die Phönixstatuen werden immer größer, immer bedeutsamer. Alles verschwimmt in dieser Nebelwelt ohne bestehende Ordnung und es gelingt mir nicht, ein Requiem von Wasser zu unterscheiden. „Der Himmel hat die Farbe von Urin.“ Am I losing my mind?
Du kennst das Ende der Geschichte: Der Mann vom Lande verbringt sein Leben, verlebt, vor dem Türhüter wartend auf Einlass in das Gesetz, das ihm der Türhüter nicht gewährt. Ich stelle dem Türhüter die letzte Frage, warum mein ganzes Leben lang niemand sonst Einlass verlangt habe, und der Türhüter brüllt mich an, um mein vergehendes Gehör noch zu erreichen: „Hier konnte niemand sonst Einlaß erhalten, denn dieser Eingang war nur für dich bestimmt. Ich gehe jetzt und schließe ihn.“
Die bedeutsamen Phönixstatuen: Did you put them here, Hugo?, frage ich murmelnd, und erhalte eine Antwort, von Hugo, der zu mir aus dem Nichts heraus spricht: No … you did.
Ich dachte, dass der sterbende Leonardo DiCaprio „I will never let you go“ zu seiner Kate Winslet sagt, als Ankündigung oder Versprechen, dass er sie für immer haunten werde. „What am I doing here in the middle of the ocean, alone in a boat surrounded by frozen corpses?“ Aber es ist anders: Sie, Kate Winslet, Rose, sagt das zu ihrem toten Jack als er nach unten ins Meer sinkt: I’ll never let go. I promise.
„,Hühnergesicht‘ aus der TODESANZEIGE ist keine Fiktion.“ (Heiner Müller, KRIEG OHNE SCHLACHT)
Ich will das Hühnergesicht lieber nicht totschlagen.—Und das ist auch ein Problem. Ich höre lieber Musik, zum Beispiel Le Butcherettes, die Nine Inch Nails und Miley Cyrus, die Pink Floyd singt, oder ich spiele A Plague Tale: Requiem.
Du läufst durch zu viele Straßenbahnwagons, bis dein mind ganz fractured ist, und nach dem Straßenbahnwagon kommt noch ein Straßenbahnwagon, you always end up at the same starting point, Foxtrott im Straßenbahnwagon und was dich quält, und das die einzige passende Antwort: es ist die Erwartung, die Straßenbahnwagons verlassen zu können, beim nächsten Mal die Straßenbahnwagons verlassen, beim nächsten Mal bestimmt, dann wird der Straßenbahnwagon nicht mehr zu dem nächsten selben Wagon führen, sondern in einem Ausweg münden. Hugo ist verzweifelt, it hurts to see you fight like that, sagt er, keine Ahnung, ob noch oder nicht mehr am Leben, aber ich bleibe nicht stehen, ich laufe weiter, tanze Foxtrott, immer schneller.
Was mich quält—es ist die Hoffnung.
Hugo sagt es auch wörtlich: It’s your hope
[that you can still fix things the way you did]
Nein, ich weiß nicht, wie sich ein Pool von Wasser unterscheidet, ich kann Wasser nicht von einem Requiem unterscheiden, ich weiß nicht, was der Unterschied zwischen einem Requiem und einem Pool ist, ich weiß das alles nicht, weil die Dinge sind nicht fest, sie sind flüssig, und wenn du sagst, das sei ein Requiem, dann sage ich, das kann auch ein Pferd oder ein Brunnen oder eine Liminalität oder sonstwas sein, was weiß ich, ich gebe auf, I tried, aber I gave up.
Le Butcherettes / Nine Inch Nails:
so many matters of the mind
so little matters in my heart
you used to blame me all the time
eventually, we fell apart
give up, just give up [...]
perfect little dream, the kind that hurts the most
forgot how it feels, well almost
no one to blame, always the same
open my eyes, wake up, wake up, wake up in flames
[...] I tried, I gave up
the only way to make it right
remains a question in my life
so many matters take up time
so little matters in this life
[...] I tried, I gave up
throw it away, I tried, I gave up, give up, just give up, I tried, I gave up, I tried, I gave up, I tried, I gave up, give up, just give up, I tried, I gave up, I tried, I gave up, give up, just give up, throw it away, throw it away, I tried, I gave up, I tried, I gave up, throw it away, give up, just give up, give up, just give up, give up, just give up
Zu /texte.