Velez

August 2026

Die Zeit hängt in Fetzen an mir. Ich bin niemands Frau. Ich bin noch nicht einmal. Ich will bestimmen, wer ich bin, und ich will mir auch mein Geschöpf machen, meinen duldenden, schuldigen, schattenhaften Teilhaber. […] Ich will mein Geschöpf, und ich werde es mir machen. Wir haben immer von unsren Ideen gelebt, und dies ist meine Idee.
Ingeborg Bachmann: Ein Schritt nach Gomorrha

NUTS (2021): Mit dem größten Vergnügen lasse ich mich vom unsichtbaren Simon in den Melmoth Forest bringen, um dort Eichhörnchen zu studieren. Am Tage montiere ich die Kameras und in der Nacht huschen die kleinen Hörnchen durch den Wald. Sie verstecken ihre Nüsse und jagen Bäume auf und ab.

Aus dem Sommeraufenthalt im friedlichen Wald wird bald eine Geschichte und aus der Geschichte ein Rätsel, das ich mit meinen Eichhörnchenfotos löse. „Your job? To figure out where the native squirrels nest and what mysterious business they get up to.“ Ich denke nicht, dass man bei dieser Aufgabe scheitern kann, weil die einheimischen Eichhörnchen nehmen jede Nacht dieselbe Route, wie kleine wuselige Eichhörnchenmaschinen, die ich beim Herumhuschen filme. Den aufgezeichneten Film pausiere ich beim Abspielen. Ich vergrößere den passenden Bildausschnitt, drucke ihn aus und hänge das ausgedruckte Bild auf meine Pinnwand, die voll ist mit Fotos von putzigen Eichhörnchen.

Beginnen wir mit der Betrachtung […] des heutigen Industriemenschen: Im Brennpunkt seines Interesses stehen nicht mehr Menschen, Natur und lebendige Strukturen, sondern mechanische, nichtlebendige Artefakte üben immer größere Anziehung auf ihn aus. Beispiele gibt es in Fülle.

schreibt Erich Fromm in der Anatomie der menschlichen Destruktivität (1974) und ich installiere House of Velez. Die Belegung der Tasten auf meinem Playstation-Controller ist nicht so, wie ich es erwarte. Sie ist falsch: X bedeutet B und Kreis ist X und Quadrat ist A und Dreieck ist Y.

Für die Heart-Rate-Suppression muss ich zugleich und in einer bestimmten Reihenfolge auf vier Tasten drücken: Ich drücke mit dem linken Zeigefinger auf L1, mit dem rechten Zeigefinger auf Dreieck = Y, mit dem rechten Daumen auf X = B und mit dem rechten Mittelfinger drücke ich immer wieder auf R1 und lasse R1 immer wieder los, womit ich meinen Puls kontrolliere – die Ungestalten dürfen mein schlagendes Herz nicht erkennen. Ich fühle mich wie beim Lernen neuer Griffe auf der Gitarre, von denen ich denke, dass mir die unnatürliche Haltung der Finger viel zu weh tut, um die richtigen Saiten jemals richtig nach unten drücken zu können.

Ich schreibe die Tastenzuordnung auf einen Zettel, um nachsehen zu können, welches Symbol welcher Taste entspricht. Bei den Quick-Time-Events drücke ich die Tasten zu langsam oder erwische eine falsche. Nach den ersten Räumen im House of Velez entdecke ich in Steam die Möglichkeit, eine andere Tastenbelegung zu wählen, sodass zumindest die Struktur meines Playstation-Controllers mit der Controller-Struktur von House of Velez übereinstimmt. Den Zettel mit den Tasten behalte ich und notiere darauf Zahlen und Symbole.

„Was denken Sie über Frauen, die Lippenstift und Make-up benutzen?“ (Erich Fromm: Anatomie der menschlichen Destruktivität)

Mich beschäftigt der Name Velez: ve-lez, vel-ez, Weh-less. Ist Velez der Name von etwas, das ich kenne? Ich weiß nicht, was Velez bedeutet; es klingt böse, teuflisch. Es gibt Namen, die Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Stell dir vor, dein Name wäre Lily Velez – Lily Velez, Lily Velez, Lily Velez, Lily Velez, ...

The House of Velez: Von einem Haus zu sprechen, klingt mafiös: Bist du Mitglied des Hauses oder nicht? Das Haus jagt ... – dich! Sein Name verbirgt ein Geheimnis, als ob man wissen müsste, was im House von Velez, hinter seinen verschlossenen Türen passiert. Ich ziehe mir den kurzen Rock an, die Lederjacke, trage Lippenstift und Make-up auf und fahre durch das Schneegestöber in das leerstehende Haus meines Vaters, um herauszufinden, was passiert ist. Ich betrete die dunklen Räume des Haus von Velez.

Auf Steam wird mir beim Starten angezeigt, dass der einzige Entwickler des Spiels, Larry Childress, seit Jahren an einem Remake von House of Velez in der Unreal Engine 4 arbeitet. Es gibt dazu Tweets und Videos auf Utube. Das Video HoV Remake [INTRO/GAMEPLAY] aus dem Jahr 2022 zeigt die ersten fast zehn Minuten der Remake-Version von House of Velez: Wie im Traum erkunde ich dunkle Räume; Gestalten weichen dem Licht meiner Taschenlampe aus, ich drehe leblose Körper um. Etwas stimmt nicht, ich ... – wache schweißgebadet auf. Ich dusche und gehe wieder schlafen. Am Abend starte ich dann das House von Velez, betrete dunkle Räume und wache schweißgebadet auf. Frisch aus der Dusche nehme ich den Pullover aus dem Kleiderschrank, ziehe den kurzen Rock und die hohen Schuhe an. Ich trage Lippenstift und Make-up auf, schlüpfe in die Lederjacke und fahre in das Schneegestöber zum Haus of Velez. Ich betrete die dunklen Räume. Etwas stimmt nicht.

Ich fahre zum Haus meiner Großmutter, weil es in ihrer Garage Erscheinungen gibt. Ich glaube nicht daran, aber da ist etwas, das ich aus den Geschichten meiner Familie kenne: Klopfen in der Nacht und die Berührung einer Hand am Rücken; Bilder, die von der Wand fallen. Andere Frauen sind auch schon da, meine Schwester und ältere Frauen, die ich nicht kenne. Da ist die Garage, ein schlauchartiger Raum. Die Frauen und ich falten die Hände und beginnen zu beten, wie es der Herr gelehrt hat. Plötzlich öffnet sich wie von Geisterhand die Tür eines Kastens auf der linken Seite. Ich zweifle: Steckt doch etwas dahinter? Ist in der Garage meiner Großmutter wirklich eine Erscheinung? Ich denke, dass ich nicht stocken darf, sondern unbeeindruckt wie ein Exorzist, wenn er von der Besessenen angekotzt wird, weiterbeten muss, damit die Beschwörung funktioniert. Die Frauen fassen sich an den Händen und beten weiter. Ich umfasse mit meinen beiden Händen auch andere Hände und plötzlich steht Tina rechts hinter mir. Ich denke, dass sie sich auch am Beten beteiligt, aber sie bückt sich und zieht mir die Hose nach unten. Ich stehe wie nackt da. Das ist nicht Tina, sondern die Erscheinung, denke ich, und da umfasst sie meinen Kopf und dreht ihn und

ich bin gefangen, zurückgeworfen in eine Zeit, und gehe wie von einer Kamera beobachtet durch eine stumpfe Naturlandschaft. Da ist ein Wildbach, da ist eine Verbauung, es rauscht. Ein Mann fällt ins Wasser und stirbt. Ich hätte ihn vielleicht aufhalten können, aber ich kenne mich mit den Bewegungen nicht aus.

Mir ist klar: Ich kann von hier nicht weg. Ich bin in dieser Zeit gefangen, sind es die 80er-Jahre? Das ist der Fluch von Tina. Der Fluch ist grausam, weil selbst wenn das ein Traum wäre – ich kann nicht aufwachen. Ich versuche aufzuwachen, schließe die Augen und unternehme eine Anstrengung, aber ich kann nicht entkommen. Ich muss das Rätsel lösen.

Dass ich den Tod des Mannes nicht verhindert habe, war schlecht. Später wird das schlechte Folgen haben. In einem Gang sausen kleine fahrende Fahrzeuge herum, kann ich mir eines aussuchen? Schließlich bin ich im Raum mit den Katzen, die ich vorher ausgesucht hatte. Ich konnte mich nicht entscheiden, welche am schönsten ist, also habe ich alle genommen. Da sind die kleinen Katzen und die großen: die beiden Nacktkatzen, die blaue Katze. Sie kommen schon zu mir und lassen sich streicheln. Ich umarme sie.

Im Keller sehe ich: auch eine Katze, eine kleine schwarze Katze, die miaut und mich anschaut, sich aber nicht streicheln lässt. Ich denke, dass sie davonlaufen möchte, aber sie bleibt in einer Distanz sitzen und beobachtet mich.

Kurzprotokoll: Die Protagonistin geht in den Keller des House of Velez, löst Rätsel und flüchtet vor Monstern.

Beschreibung eines Besuchs im Haus of Velez: Lily Velez fährt durch das Schneegestöber zum weit entfernten und leerstehenden Elternhaus. Lily Velez startet den Dieselgenerator im Weinkeller und betritt das Anwesen. „Look at that. Home sweet home“, sagt sie nach dem Eintreten und geht durch die Räume im rechten Gebäudeflügel, wo es aber nichts gibt, um dann das Arbeitszimmer ihres Vaters zu betreten. Dort steht eine rotierende Säule und Koks liegt am Schreibtisch und zwischen den vielen Büchern kullert ihr eine Kugel, das Artefakt zu. Sie nimmt es in die Hand. Hat es sie angeglubscht? Schon ist Lily Velez in einem dunklen Kellerraum und ihre nackten Arme sind an ein Gerüst gekettet. Jemand hat ihr den Pullover ausgezogen. Eine schlecht vernähte Wunde ist an ihrem Bauch zu sehen. Lily Velez zerrt an den Ketten und kann sich losreißen. Sie zieht sich wieder an, verlässt den Raum und betritt die verwinkelten Kellergänge. Kinderpuppen hängen an Ketten von der Decke und als Lily Velez Schritte hört, versteckt sie sich im Kasten. Ihr Vater kommt.

Im nächsten Raum ist eine kopflose Schaufensterpuppe, die dem Körper Lily Velez ähnlich sieht und den gleichen kurzen Rock trägt. Die Puppe erwacht zum Scheinleben und verfolgt Lily Velez durch die Kellerräume. In einem Tresor findet sie den Kopf einer Kinderpuppe, mit dem eine versperrte Tür geöffnet werden kann („die Tür kann mit dem Kopf geöffnet werden“). Auf der Flucht wird Lily Velez von aus der Dunkelheit heraussausenden Ketten attackiert. Die Wand ist ein Gesicht, das sich öffnet, um sie zu verschlingen. Lily Velez läuft durch die Kellerräume, plötzlich erscheint der Vater und wirft sie zu Boden. Er umfasst mit beiden Händen ihren Hals und drückt zu, „this is my freedom“. Die Augen von Lily Velez überdrehen sich und ihr Kopf läuft dunkelrot an, doch plötzlich stößt eine Klinge aus der Dunkelheit in die Schulter des Vaters. Lily Velez reißt sich aus seinem Würgegriff los, steckt den Kinderpuppenkopf auf den Kinderpuppenkörper und flieht ins Freie (she doesn’t know it yet, aber hinter der Tür erwartet sie nicht die Freiheit, sondern part 2)

Weder das ‚Protokoll‘ noch die ‚Beschreibung‘ geben den Spielverlauf wieder. Im Spielverlauf verpasse ich den richtigen Moment, um auf eine bestimmte Taste zu drücken. Ich kann der Puppe nicht entwischen und gebe die falsche Kombination am Tresor ein, weil ich das Rätsel nicht verstehe. Der Tresor spring auf und daraus hervorschießende Ketten werfen Lily Velez zu Boden. Die Ketten winden sich um ihren Rücken und ziehen sie zum offenen Tresor hin. Seine Öffnung ist viel zu klein für Lily Velez und die Ketten zerren solange, bis ihre Wirbelsäule bricht und ihr Körper wie ein Pappkarton zusammengefaltet wird. Der Kopf von Lily Velez baumelt zwischen ihren Beinen, als ihr Körper im Tresor verschwindet und sich seine Tür wie von Geisterhand schließt. You Died steht in Großbuchstaben über dem House von Velez.

Die Geschichte ist egal. Auf pixeligen Tagebuchseiten, die im Haus of Velez herumliegen – ich übersehe die meisten –, steht etwas von einem alten Artefakt und Erscheinungen, who cares; der Wahnsinn, der auftritt, verlangt nach keiner rationalen Erklärung.

Den üblichen Maßstäben nach schaut House of Velez nicht gut aus, nur Lily Velez schaut gut aus. House of Velez ist im Oktober 2017 erschienen, ein Jahr vor Red Dead Redemption 2, aber es sieht aus, als ob es viele Jahre älter wäre („Within the first few minutes of playing this, I felt like I was in 1995, which is a great thing. However, once the action really got going, I felt like I was in 1995, which is not a great thing“, Steam-Rezension von Cat Plissken, 1. Mai 2026). Ich bin vom Spiel in gewisser Weise fasziniert, weil es so anders ist und sich nicht an Konventionen hält. Die Animationen wirken veraltet und neu zugleich, das Spiel ist unmöglich schwer. Ich schreibe in einem Aufsatz: „Paul Feyerabend schreibt in Wider den Methodenzwang, dass es ‚immer leichter‘ sei, ‚sich an Regeln zu halten, als ein Talent zum Erfinden von Regeln zu kultivieren‘“. Das House von Velez orientiert sich nicht an Regeln. Es schleicht sich in meine Träume ein, die merkwürdig religiös werden. Ich träume nicht von Lily Velez oder Gewalt oder Sex, ich träume von der Stimmung des House of Velez, davon, dass ich Rätsel lösen muss und aus dem Keller nicht entkommen kann. Als ich aufwache, schleicht jemand betend um mein Bett.

Haus of Velez ist sexuell aufgeladen und voller Gewalt („no, it wasn’t about sex, it was about power“, wie Lydia Lunch sagt). Ich denke nicht, dass jemand das Spiel spielt, um Rätsel zu lösen oder aus Freude, sich vor Monstern zu verstecken. Das House of Velez lädt dazu ein, zuzuschauen, wie der Körper von Lily Velez zerstört wird, und das ist der Grund, das Spiel zu spielen. Die Zerstörung des Körpers von Lily Velez wäre ein unpassender Titel, aber das ist der Inhalt des Spiels. Es ist ein breath play, ich sterbe, ständig, wegen der Monster, wegen der Steuerung, weil ich mich nicht auskenne, wegen meiner Ungeschicklichkeit. Sterben bedeutet nicht: einen Fehler machen und You Died, sondern die Zerstörung des Körpers von Lily Velez zu bezeugen. Die Zerstörung ist keine kurze Animation, sondern wird zelebriert. Im Internet regieren die Superlative:

The most GROTESQUE game you never played

House of Velez is the goriest, most disturbing game I've ever played!

House of Velez has to be one of the most gruesome/creepiest games, and the dev story gets even darker (read comments).

Lily Velez wird von zwei Metallstäben auseinandergerissen. Lily Velez wird skalpiert. Rotierender Stacheldraht trennt den Kopf vom Körper von Lily Velez. Lily Velez wird aufgespießt. Lily Velez verschwindet in der Dunkelheit. Der Kopf von Lily Velez wird abgerissen, zerstampft.

Weil ich jemand bin, der weder ausatmen noch loslassen kann, speichere ich jedes Mal, wenn ich einen neuen Raum betrete. Die richtige Art, House of Velez zu spielen, wäre so wie im Permadeath-Modus von Diablo: Wenn der Körper von Lily Velez zerstört ist, dann ist es over, aber im Spiel, in Wirklichkeit steht sie schon wieder auffordernd vor mir, nachdem ihr der Kopf abgerissen worden ist. Ich denke, dass ich das Lenkrad des fahrenden Autos loslassen sollte, aber ich halte den Atem an und speichere den Spielstand.

Ich weiß nicht, ob „Larry Childress“ der wirkliche oder gespielte Name des Entwicklers ist, und ich weiß nicht, wer oder was hinter Dark Room Games steht, aber ich denke, dass House of Velez ein Projekt ist, das mit Besessenheit und Leidenschaft entstanden ist, „like fetish for torturing and murdering woman with as much accent on meticulous details as possible. Like if it was made with so much enjoyment and even passion, and was intended for people with same fetishes“ (Steam-Rezension von 7OBHOBO3, 1. Sep. 2019, Produkt rückerstattet).

„Was denken Sie über Frauen, die Lippenstift und Make-up benutzen?“ Viele antworteten: „Das ist bürgerlich“ oder „Das ist unnatürlich“ oder „nicht hygienisch“. Ihre Antwort entsprach einfach der vorherrschenden Ideologie. Aber eine Minderheit gab Antworten wie „Das ist giftig“ oder: „Solche Frauen sehen wie Huren aus“. (Erich Fromm: Anatomie der menschlichen Destruktivität)

Da ist die Aufregung über den zerstörten Körper der Figuren im Computerspiel, immer schon: Hast du in den 90er-Jahren Prince of Persia gespielt? Ich hatte Respekt und Angst vor den Sägeblättern, die diesen blond-persischen Boy im weißen Hosenanzug einfach auseinandergeschnitten haben, wenn er einen falschen Schritt gemacht hat. Plötzlich lagen zwei Körperhälften da, und die Sägeblätter, die voller Blut waren, gingen weiter auf und zu. Das Verhältnis zwischen a = den langen Versuchen, nicht zu sterben und Rätsel zu lösen, den richtigen Weg zu finden etc. und b = den kurzen Todessequenzen in Prince of Persia dreht sich in House of Velez um: Der Spielverlauf besteht in kurzen Teilen aus a = „stealth/puzzle elements“ und in ausgedehnten Episoden aus b = Videos, in denen der Körper von Lily Velez zerstört wird.

Da sind der Sexismus, die Misogynie und der Femizid, das sind Empörung und Ablehnung. Wäre es besser, das House von Velez zu boykottieren? Hätte ich das Produkt auch rückerstatten sollen? Ethik und Ästhetik sind 1, schreibt Wittgenstein. Da ist die Tatsache und da ist das moralische Urteil über sie, und oft raubt das moralische Urteil die Sicht.

„Should we, echoing Simone de Beauvoir’s question about Sade, ask whether to ‘burn Bataille’? That question, which Beauvoir asked only rhetorically, […] is perhaps […] the permanent temptation of any dogmatism when faced with texts it considers harmful, or even merely irresponsible“, schreibt Susan Rubin Suleiman (Subversive Intent. Gender, Politics, and the Avant-Garde), und oui, antwortet Wittgenstein, aber da sind die Incels, die Fanboys von Patrick Bateman und Batman und Marcel Reich-Ranicki und die Leser von Erich Fromm und Simone de Beauvoir. Der Männerbot generiert den Schlappschwanz, den Tech-Baron und alle sagen unisono ICH BIN EIN ÄSTHET ICH WILL DEN MORD ALS SCHÖNE KUNST ERLEBEN HATTE EINE SCHWERE KINDHEIT NIEMAND GAB MIR EINEN NAMEN MAN WIRD DOCH NOCH HOUSE OF VELEZ SPIELEN DÜRFEN MAN WIRD DOCH WOHL NOCH SAGEN DÜRFEN MAN WIRD DOCH WOHL NOCH HITLER SAGEN DÜRFEN MAN WIRD DOCH WOHL NOCH NEGER SAGEN DÜRFEN MAN WIRD DOCH WOHL NOCH ÜBER HITLER REDEN DÜRFEN

Ich weiß nicht, was ich tun soll. Ich verstehe nichts. Ich muss mich nicht vom moralischen Urteil blenden lassen, aber auch nicht so tun, als gäbe es die Probleme nicht. Nichts ist neutral. Ich habe das bad ending schon längst hinter mir, aber interessiere mich dafür, was im House von Velez passiert ist. Ich starte den Dieselgenerator und öffne die Tür zum House von Velez. Eine lange Treppe führt nach unten in die Dunkelheit.


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Im Kapitel über die bösartige Aggressivität, die Nekrophilie in der Anatomie der menschlichen Destruktivität schreibt Erich Fromm:

Von Hentig schreibt, das Ziel der nekrophilen Destruktivität sei die Leidenschaft, „lebendige Zusammenhänge mit Gewalt entzweizureißen“. Diese Begier findet ihren deutlichsten Ausdruck im Drang, Körper zu zerstückeln.

Fromm trägt Fälle der Leichenschändung zusammen („MAN SIEHT IHN UM DIE KIRCHE SCHLEICHEN“), aber er möchte auf die Definition eines Charaktertyps hinaus, die drei Seiten später kommt:

Die Nekrophilie kann man im charakterologischen Sinn definieren als das leidenschaftliche Angezogenwerden von allem, was tot, vermodert, verwest und krank ist; sie ist die Leidenschaft, das, was lebendig ist, in etwas Unlebendiges umzuwandeln; zu zerstören um der Zerstörung willen; das ausschließliche Interesse an allem, was rein mechanisch ist. Es ist die Leidenschaft, lebendige Zusammenhänge zu zerstückeln.

Die Nekrophilie im House of Velez ist offensichtlich. Der Körper von Lily Velez wird in so vielen verschiedenen Arten zerstört und es gibt eine merkwürdige Verschmelzung von strenger Logik und körperlichem Verfall. Ein Rätsel aus dem House of Velez (part 2):

Lily Velez betritt einen dunklen Kellerraum. An straffgezogenen Ketten hängt in der Raummitte ein abgetrennter Kopf, dessen Kiefer sich auf und ab bewegen. Die Teile des Körpers eines Menschen baumeln an Ketten von der Decke und hinter den Körperteilen sind mit Blut Zahlen an die Wand gemalt. Eine verzerrte Stimme ist zu hören (ich ahne: es ist die Stimme des abgetrennten Kopfes; ich ahne: hier hängen die Teile des Körpers, zu dem auch der Kopf gehört). Die Stimme sagt:

every day the same hell
every day (?) tearing me apart
my left arm is pulled before my right leg
my heart is excavated after my eyes
which are ripped (?) immediately before my guts
my brain is the last organ to go
my liver is always the first
every time they save my limbs for last

Es gibt keine Untertitel und man (ich zumindest) muss das verzerrte Gerede mehrmals anhören, um die Worte zu verstehen. Außerdem ist in diesem Raum ein Nummernfeld, auf dem Zahlen in einer bestimmten Reihenfolge eingegeben werden müssen. Ich ahne: man muss die Blutzahlen hinter den Körperteilen in die richtige Reihenfolge bringen, weil Ordnung muss sein, und ein nekrophiles Spiel muss sich in einer „pedantische[n] und unlebendige[n] Weise mit technischen Dingen befassen“ (Erich Fromm: Anatomie der menschlichen Destruktivität). Auf meinem Zettel für die Controller-Tastenbelegung notiere ich liver, eyes, guts, heart, usw. und die zugeordneten Zahlen. Oft genug gebe ich die Reihenfolge falsch ein. Zwei Fleischerhaken spießen mich unter den Achseln auf. Ich werde in die Höhe gezogen, wo mir zwei weitere Haken den Darm aus dem Bauch herausreißen – You Died.

Später dann erwischt mich wieder eine Puppe („Man kann die Menschen wie Uhren aufziehen, und sie wirken dann höchst ‚lebendig‘, obgleich sie tatsächlich zu Automaten geworden sind“; Erich Fromm: Anatomie ...), die mich erwürgt. Meine Leiche wird zerteilt („Diese Begierde, Körper zu zerstückeln, ist […] einer der zuverlässigsten Faktoren für die Diagnose des nekrophilen Charakters“), und zu einer kopflosen Kadaverskulptur zusammengenäht, die ihren eigenen, meinen Schädel in die Höhe hält („Menschen sind zu ‚Nicht-Menschen‘ geworden – eine Welt des Todes“).


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Erich Fromm betrachtet den Körper von Lily Velez: ihre langen Beine, die zerrissene Strumpfhose, der kurze Rock und das verschmierte Make-up. Eine „Minderheit“ antworte auf die Frage „Was denken Sie über Frauen, die Lippenstift und Make-up benutzen?“ mit „Solche Frauen sehen wie Huren aus“, schreibt Fromm, semi-fiktional (anything goes), über Leute, die über die geschminkte Frau urteilen. Simone de Beauvoir schreibt in Das andere Geschlecht, Teil 2, Kapitel 2: Jugend über „das junge Mädchen“, das manchmal, wenn es ausreißen möchte, sein Ausreißen „mit Phantasievorstellungen von Prostitution“ verknüpfe:

Das junge Mädchen bildet sich ein, sie sei eine Prostituierte, sie spielt deren Rolle mehr oder weniger schüchtern. Sie schminkt sich auffallend, hängt sich zum Fenster hinaus und wirft Vorübergehenden verheißungsvolle Blicke zu.

Die Lüge, zu der man die Jugendliche verurteile, bestehe darin, „daß sie so tun muß, als sei sie ein Objekt, und zwar ein kostbares Objekt, während sie sich nur als eine unsichere, nirgends haftende Existenz empfindet und ihre Makel kennt. Schminke, falsche Locken, Wespentaille, ‚verstärkte‘ Busenhalter sind Lügen. Selbst das Gesicht wird zur Maske.“ (Simone de Beauvoir: Das andere Geschlecht)

Am Anfang des zweiten Teils schreibt de Beauvoir den berühmten Satz „Man kommt nicht als Frau zur Welt, man wird es“ und dann folgen 300 Seiten, auf denen de Beauvoir den Menschen so richtig zur Frau macht, um schließlich am Ende von Kapitel 9 urteilen zu können: „In keinem Alter ihres Lebens gelingt es ihr, gleichzeitig sich auszuwirken und unabhängig zu sein.“ Die Frau, der es in keinem Alter ihres Lebens gelungen ist, sich gleichzeitig auszuwirken und unabhängig zu sein, schaut entsetzt „auf ihre Hände, die ihr ganz fremd sind. Die Sprache richtet sich ihr auf wie der Penis ihres Mannes dort vorn“ (Elfriede Jelinek: Lust). Die Aufmerksamkeit richtet sich auf den zerdrückten Kopf von Lily Velez, ihre Beinteile, einen Augapfel. Nicht ‚sterbliche Überreste‘, sondern bloß die Reste des Körpers von Lily Velez liegen herum, irgendwo im Keller wie ein hingeschütteter Kehrichthaufen. Was ist der Unterschied zwischen der Zerstörung des Körpers von Lily Velez und der Beschreibung der Frau bei Beauvoir? Man kommt nicht als Leiche in das House of Velez, man wird es. „Die Sprache der Männer, soweit sie auf die Frauen Anwendung fand, war schon schlimm genug gewesen und bezweifelbar; die Sprache der Frauen aber war noch schlimmer, unwürdiger – davor hatte ihr schon gegraut, seit sie ihre Mutter durchschaut hatte, später ihre Schwestern, Freundinnen und die Frauen ihrer Freunde und entdeckt hatte, daß überhaupt nichts, keine Einsicht, keine Beobachtung dieser Sprache entsprach, den frivolen oder frommen Sprüchen, den geklitterten Urteilen und Ansichten oder dem geseufzten Lamento.“ (Ingeborg Bachmann: Ein Schritt nach Gomorrha)

Nach den Vorstellungen unserer Gesellschaft soll der Mann "das Mädchen zur Frau" machen. Dies ist aber eigentlich schon irgendwie besitzergreifend. Das Mädchen wird nicht zur Frau sondern der Mann ist es, der das Mädchen zur Frau macht. Ein Mädchen, das sich selbst mit einem Dildo zur Frau macht, wird schief angesehen. (https://www.erotikforum.at/themen/soll-man-eine-entjungferung-planen.141351/#post-1919193)

Nach den Vorstellungen von de Beauvoir kommt man nicht als Frau zur Welt, sondern wird zur Frau gemacht. Dies ist aber eigentlich schon besitzergreifend. Das Mädchen wird nicht zur Frau sondern de Beauvoirs Beschreibung ist es, die das Mädchen zur Frau macht. Ein Mädchen, von dem die Zeit in Fetzen hängt, wird schief angesehen.

„Die Frau ist dem Nichts entwendet worden und wird mit dem Stempel des Mannes jeden Tag aufs neue entwertet.“ schreibt Elfriede Jelinek in Lust und „The filmmaker is the man who must leave his signature on a film intended as a work of art“, wird in Lux Æterna als Zwischentitel eingeblendet (auf Französisch, von Carl Th = Carl Theodor Dreyer, Le metteur en scène est l’homme qui doit marquer de sa griffe un film qui se veut une œuvre d’art). Natürlich wird das Subjekt zum Objekt, wenn es Teil der Analyse ist. Die geschminkte Frau wird zum Objekt, wenn sie als empirischer Untersuchungsgegenstand beschrieben wird. Wenn ich schreibe, dass scheißzig Prozent der Bevölkerung denken, dass geschminkte Frauen aussehen wie …, dann drücke ich damit den nekrophilen Charakter der Welt aus, weil ich lebendige Zusammenhänge in Daten überführe und analysiere. Analyse kommt von ἀνάλυσις, und das heißt „Auflösung, Zergliederung“, und außerdem beginnt es mit anal- und der nekrophile Charakter ist ein passionierter Arschficker und wird ganz wuschig: eine Analyse! Nicht mehr Menschen, sondern nichtlebendige Huren – alles ist Produkt und nur mehr Produkt, alles ist ein Fotomotiv und nur mehr Fotomotiv, für den nekrophilen „Marketing-Charakter“ (Fromm meint damit Influencer und Social-Media-Marketing) „verwandelt sich alles in Konsumware“. Aus Ideen werden Märkte – ¡viva la muerte! Lass mich das House of Velez analysieren. Jedem zur Frau gemachten Menschen wird der Stempel von de Beauvoir aufgedrückt und ich will dem House von Velez meinen aufdrücken, ich will Lily Velez analysieren, ihren Körper zergliedern, auflösen. Aaaaaahhh!

Wie Leichentücher legen sich die analytischen und empörten Texte über das House von Velez. Lily Velez wird darin eingewickelt, Schicht um Schicht um Schicht, „eine sexuelle Praktik […], bei der der Körper oder einzelne Körperteile mit geeignetem Material umwickelt werden, was die Bewegungsfreiheit stark einschränkt“ (Wikipedia). Baby, was ist der Unterschied zwischen Beschreiben und Erschaffen? Si le texte n’est pas une chose, il est une situation. Das junge Mädchen ist ein Mensch, ist eine Frau, ist ein beschriebenes Objekt, ist ein dummes Ding. Es wird eine Hexe und an den Marterpfahl gebunden und 300 Seiten lang gestempelt. Das Folterwerkzeug ist die Sprache.

Der Plan ist heimtückisch: Als ob das Totenhaus von Velez fern hinter dem Schneegestöber in irgendeiner Weise aus einer Beschreibung herauskommen könnte, als ob hinter seinen Türen noch Geheimnisse wären. Liegt dein nekrophiles Vergnügen in der Beschreibung oder im Beschreiben? „I have got the weirdest boner right now.“ (Steam-Rezension von Lewdwig♂fan♂Beefoven, 13. Jun. 2024)


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Ich scrolle durch das PDF eines Buchs über Hans Bellmer (Hans Bellmer: The Anatomy of Anxiety von Sue Taylor) und es graust mich vor seinen Fotos; sie sind unheimlich und es bereitet mir Unbehagen, sie anzusehen. Ich habe, in gewisser Weise, Angst vor seinen Bildern. Vor etlichen Jahren hatte ich in einem Vortrag ein Foto von Hans Bellmer gezeigt: Darauf die nackte Unica Zürn, deren Körper von einem eng geschnürten Faden in eine Unform gebunden ist – und daneben das Foto horizontale (1976) von Francesca Woodman (nicht meine Idee, sondern von Abigail Solomon-Godeau im Aufsatz Körperdouble, 2014). Ich habe über Kunstgeschichte geredet und Solomon-Godeau schreibt „Wenn ein männlicher Künstler seine Gefährtin verschnürt und fotografiert, lässt sich das vernünftigerweise nicht analog dazu setzen, dass eine Künstlerin zwanzig Jahre später um ihrer eigenen künstlerischen Zwecke willen das Gleiche mit sich selbst macht“ und in der Diskussion ging es darum, dass sich Woodman die Praktiken von Bellmer, die natürlich problematisch seien, aneigne, und ihnen durch die Wiederholung in einem Setting, das sie selbst kontrolliert, die destruktive Macht nehme (Woodman mache „den Fetischismus als problematisch sichtbar“, schreibt Solomon-Godeau). Ich nehme an, dass in diesem Setting etwas Therapeutisches, Heilsames liegt.

Der Schwenk von Woodman zu Bellmer ist wie die Rückerstattung eines problematischen Produkts; ‘burn Bataille’, ‘burn de Beauvoir’, ‘burn Bellmer’, ‘burn Velez’, als ob sich Probleme wegschauen lassen würden. Als ob ich sagen könnte: Vielen Dank ich möchte das Problem rückerstatten. Woodman, so sagt man, lasse durch das Verschwinden etwas in Erscheinung treten (das ist eine kontra-induktive Aussage).

Die Puppenkörper auf Bellmers Fotos sind unvollständig, die Teile des Körpers treten als sexualisierte Einzelteile hervor: da ist der Mundteil, ein Gesichtsteil mit blickendem, stechendem Auge, kugelige Brustteile mit abstehenden, kreisrunden Brustwarzen, übergroße Geschlechtsteile und die Aufzählung bleibt unvollständig, aber das, was vorhanden ist, wird mit Kugelgelenken verbunden; das Kind „bückt sich nur ganz im Vorübergehen nach ein paar Blüten der Rosa Monstrosa und steckt sie dem ‚Kugelgelenk‘ ins Haar, ehe es herausfordernd mit einer schüchternen Wendung der Hüften und dem, was ihm fehlt, das Land der Wirklichkeit betritt“ (Hans Bellmer: Das Kugelgelenk). Oft bleiben die Teile unverbunden und die Fotos zeigen hingeworfene Körperteile. Das Foto zeigt einen Torso (ein weiblicher Torso mit Brüsten und gespreizten Beinstümpfen), Kopf, Perücke, Beinteile, Augen, die „wie ein aufs geratewohl hingeschütteter Kehrichthaufen“ (DK 22 B 124) daliegen, und einen Nicht-Menschen zusammenstellen, der mich wie die deformierten Halbkörper der Puppen erschaudern lässt.

Die Puppenkörper sind unlebendig, bloß Teile, die „herumschwimmen oder herumliegen“ („Bei vielen anderen nekrophilen Menschen habe ich beobachtet, dass sie viele Träume hatten, in denen sie Teile zerstückelter Körper herumschwimmen oder herumliegen sahen“, Erich Fromm: Anatomie der menschlichen Destruktivität). Statt nach Unterschieden suche ich nach einer Gemeinsamkeit: Verbindet der nekrophile Charakter die Beschreibung des zur Frau gemachten Menschen mit der Zerstörung des Körpers von Lily Velez und mit meinem Schaudern vor Bellmers Fotos? Das Objekt ist wehrlos, „es erlaubt jede Interpretation, die von ihm gemacht wird“ (Josef Mitterer: „Über Interpretation“).

„War nicht in der Puppe, die nur von dem lebte, was man in sie hineindachte, die trotz ihrer grenzenlosen Gefügigkeit zum Verzweifeln reserviert zu sein wußte, war nicht in der Gestaltung gerade solcher Puppenhaftigkeit das zu finden, was die Einbildung an Lust und Steigerung suchte?“, fragt Hans Bellmer im merkwürdigen Aufsatz Erinnerungen zum Thema Puppe. Was denkt de Beauvoir in die Frau hinein?

Hans Bellmer: Die Puppe (Photoshop)

Ich blättere durch den Bildband ambivalence von Atsushi Tani. Der Text ist auf Japanisch und ich verstehe nichts; in den Bildern liegen Frauen, Körperteile, Puppen, nackt und angezogen, belebt und unbelebt, alles arrangiert und mit etlichen Filtern bearbeitet, wie in einem Text, in dem die Wörter da und dort arrangiert liegen. Im Text kommt es auf den lebendigen Zusammenhang an, wendest du ein, aber ein Text, mon cher, ist kein ‚lebendiger Zusammenhang‘. Der Text kommt im Nachhinein, zu spät. Bestenfalls kann er etwas Atem einhauchen, aber hier ist er eine Beschreibung, das Leichentuch, das um den Kadaver von Lily Velez gewickelt ist. Sprache ist der „Mordversuch an der Wirklichkeit“ (Ingeborg Bachmann: Ein Schritt nach Gomorrha). The game is a fetish for its creator. The text is a fetish for its writer.

Das Leben findet woanders statt, nicht im Bildschirm und nicht im Text. Wenn das House von Velez ein Ort ist, dann ist es ein Ort, an dem klar wird, dass das Leben woanders stattfindet. Da ist mein grenzenloses Begehren für das Leben, aber stell dir vor: ein lebendiges Wesen erschiene mir. „Eine Frau“, sagt de Beauvoir, „ein nekrophiler Charakter“, sagt Fromm – wenn das lebendige Wesen sprechen würde oder sprechen könnte, ‚ich würde es nicht verstehen‘.

Ich lasse meine Leiche vom unsichtbaren Simon in den Melmoth Forest bringen und dort technisches Gerät aufstellen. Filmaufnahmen zeigen Abbilder von leblosen Eichhörnchentieren, die immergleichen Bahnen folgen. Der Bildschirm streamt meine Verwesung mit Untertiteln.

Zu /texte.